{"id":1416,"date":"2015-01-14T23:35:31","date_gmt":"2015-01-14T22:35:31","guid":{"rendered":"http:\/\/aah.noblogs.org\/?p=1416"},"modified":"2015-01-14T23:36:35","modified_gmt":"2015-01-14T22:36:35","slug":"demonstration-am-16-1-gegen-jeden-antisemitismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aah.noblogs.org\/?p=1416","title":{"rendered":"Demonstration am 16.1. in Dortmund \u201eGegen jeden Antisemitismus!\u201c"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/aah.noblogs.org\/files\/2015\/01\/16.januar.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1417 size-medium\" src=\"https:\/\/aah.noblogs.org\/files\/2015\/01\/16.januar-200x300.jpg\" alt=\"16.januar\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/aah.noblogs.org\/files\/2015\/01\/16.januar-200x300.jpg 200w, https:\/\/aah.noblogs.org\/files\/2015\/01\/16.januar-682x1024.jpg 682w, https:\/\/aah.noblogs.org\/files\/2015\/01\/16.januar.jpg 709w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a>In diesen Tagen ist die Welt ersch\u00fcttert \u00fcber die Anschl\u00e4ge in Paris auf die Satire-Zeitschrift \u00bbCharlie Hebdo\u00ab. Im anschlie\u00dfenden Bedrohungsszenario verfolgten \u00fcber 80.000 Sicherheitskr\u00e4fte die T\u00e4ter, bis schlie\u00dflich ihre Ergreifung bzw. ihre T\u00f6tung gelang und die meisten Menschen, die sich in der Gewalt der drei Attent\u00e4ter befanden, befreit werden konnten. Dennoch sind zum jetzigen Stand wohl mindestens zw\u00f6lf Menschen in den Redaktionsr\u00e4umen von \u00bbCharlie Hebdo\u00ab und mindestens vier Tote in dem j\u00fcdischen Supermarkt, das der allein agierende Attent\u00e4ter angriff, zu beklagen. Das Attentat auf den Pariser Supermarkt reiht sich bedauerlicherweise in eine Reihe von antisemitischen Anschl\u00e4gen und Angriffen in Europa der letzten Jahre ein: Im M\u00e4rz 2012 erschoss ein Mann in Toulouse vier Menschen j\u00fcdischen Glaubens, darunter drei Kinder. Im Mai zwei Jahre sp\u00e4ter erschoss ein Franzose in Br\u00fcssel ebenfalls willk\u00fcrlich vier Menschen. Im Zuge des Gaza-Krieges kam es in Frankreich zu zahlreichen Angriffen auf Synagogen.<!--more-->Auch in Deutschland gab es in den letzten Jahren immer wieder neben verbaler Gewalt gegen j\u00fcdische Menschen eine gro\u00dfe Anzahl an \u00dcbergriffen. Bei der Berichterstattung in den Medien \u00fcber all diese F\u00e4lle von offen antisemitischer Gewalt f\u00e4llt dabei auf, dass sich (zumindest in der Masse der Publikationen) meist eher auf die T\u00e4ter, deren Umfeld und Sozialisation und die Gefahr f\u00fcr andere L\u00e4nder thematisiert und diskutiert wird. Der Antisemitismus hinter den Attacken wird selten benannt und den Opfern wird kaum Aufmerksamkeit zuteil.<\/p>\n<p>Gerade auch in Dortmund geschehen offen antisemitische Bekundungen und Aktionen, wenn auch nicht in terroristischem Ausma\u00df. Der aktuellste Vorfall: In Dortmund-Dorstfeld wurde am Silvesterabend von Unbekannten ein Gedenkkranz am j\u00fcdischen Mahnmal in Brand gesetzt. \u00dcberraschend ist diese Aktion jedoch nicht, in Dorstfeld wohnt ein Gro\u00dfteil der hiesigen Neonaziszene. Einer ihrer f\u00fchrenden Kader betreibt einen Versand, der sich in seiner vollen Ausschreibung \u00bbAntisem.it\u00ab nennt. Hier werden auch Dinge vertrieben, die geeignet daf\u00fcr scheinen, direkte Angriffe auf Menschen anderen Glaubens oder anderer politischer Ausrichtung durchzuf\u00fchren, etwa Sturmhauben, Steinschleudern und Reizgas.<\/p>\n<p>Des Weiteren wird aufseiten der Dortmunder Nazis seit dem Verbot des NWDO (Nationaler Widerstand Dortmund) versucht \u2013 im neuen Gewand der Partei \u00bbDie Rechte\u00ab \u2013 \u00fcber einen quasi \u00bblegalen\u00ab Weg, ein Bedrohungs- und Einsch\u00fcchterungsszenario heraufzubeschw\u00f6ren: Vor Kurzem stellte die extrem rechte Partei eine Anfrage an den Rat der Stadt Dortmund, in der um Auskunft \u00fcber Anzahl von Menschen j\u00fcdischen Glaubens (nach Wohnbezirken geordnet) in Dortmund gebeten wurde. Bundesweit sorgte dies f\u00fcr Aufsehen, was wohl auch eines der Ziele dieser Anfrage gewesen sein d\u00fcrfte. Denn die Dortmunder Neonazis scheinen seit einigen Monaten unter dem Deckmantel ihrer Partei zu ihrer alten, offen militanten Linie zur\u00fcckkehren zu wollen. War am Anfang der Gr\u00fcndung der Partei noch teilweise der Versuch zu erkennen, sich als handzahme Opfer einer b\u00f6sen linksliberalen Politik im Allgemeinen darzustellen, so beginnen die Neonazis seit einigen Monaten wieder, zu ihren alten Provokationen, \u00dcbergriffen und verbalen Attacken zur\u00fcckzukehren. Ob dies aus politischen Frust oder politischer Taktik passiert, sei hier dahingestellt. Klar ist, dass sie in den letzten Wochen des Jahres 2014 wieder vermehrt in der \u00d6ffentlichkeit auftraten, um sich mit Aktionismus und Provokationen selbst ihrer vorgeblichen St\u00e4rke oder Dominanz in Dortmund zu vergewissern. Dies ging gl\u00fccklicherweise angesichts des antifaschistischem Widerstands eher nach hinten los, insbesondere in der Nordstadt. Nichtsdestotrotz nutzten die Neonazis diese \u00bbAuftritte\u00ab, um ihre Menschenverachtung und ihren offenen Hass auf alles J\u00fcdische kundzutun: So verh\u00f6hnten sie an einem Abend die von den NationalsozialistInnen Verfolgte Anne Frank und skandierten bei ihren k\u00fcmmerlichen Aufm\u00e4rschen in der Stadt Parolen wie \u201cAntisemiten kann man nicht verbieten\u201d.<\/p>\n<p>Dass sie sich mit dieser Sto\u00dfrichtung erneut offen in die Tradition der NSDAP stellen, ist gewollt provokant und soll AntisemitInnen aller Couleur auf sie aufmerksam machen und zeigen: \u00bbWir trauen uns zu sagen, was ihr denkt.\u00ab Es ist die Stilisierung als Tabubrecher, die offenbar auch antreibend funktioniert.<\/p>\n<p>Wohlgemerkt sind nicht nur deutschnationale DumpfrassistInnen \u00e0 la PEGIDA oder etwa die \u00bbHooligans gegen Salafisten\u00ab, welche bei einer Demonstration in K\u00f6ln Menschen angriffen (und an welcher die Dortmunder Nazis auch teilnahmen), potenzielle B\u00fcndnispartnerInnen in der Verfolgung ihrer Absichten. Ihr Ziel liegt im antisemitischen Kampf gegen kosmopolitische Ans\u00e4tze, linke Lebensweisen und j\u00fcdisches Leben in Europa. Dazu geh\u00f6rt auch ihr Kampf gegen eine Politik, die auf Verst\u00e4ndigung und Akzeptanz setzt \u2013 und auch den Willen sowie das Engagement besitzt, Antisemitismus zu erkennen, zu bek\u00e4mpfen und dementsprechend auch bestimmte Formen von Antizionismus als (schlecht) getarnten Antisemitismus zu identifizieren. Im Sp\u00e4tsommer 2014 nahmen einige Mitglieder der Partei \u00bbDie Rechte\u00ab an den Demonstrationen gegen Israel anl\u00e4sslich des letzten Kriegs der Hamas gegen Israel teil. Bei diesen Demonstrationen ist nicht f\u00fcr einen kleinen Augenblick der Zweifel aufgekommen, wer die Schuldigen sind, und es wurden die ewig gleichen, teilweise jahrhundertealten antisemitischen Vorstellungen artikuliert. Auch st\u00f6ren Neonazis in Dortmund regelm\u00e4\u00dfig die Gedenkfeiern zum 9. November, dem Tag der Reichspogromnacht in Deutschland. Als j\u00fcngste Provokation wollten die Neonazis in der N\u00e4he eines j\u00fcdischen Festes demonstrieren, wovon sie jedoch durch antifaschistische Blockaden abgehalten wurden.<\/p>\n<p>All diese Ereignisse in Dortmund sind nur Teil einer Reihe von Vorkommnissen und Aktionen der aktiven Neonaziszene in Dortmund. Wir weisen nachdr\u00fccklich darauf hin, dass sich hierbei ihr Hass auf j\u00fcdisches Leben und die Imagination einer vermeintlichen globalen j\u00fcdischen Dominanz, die ganz im klassischen Sinne der Ideologie der NSDAP und ganz Nazideutschland steht. Die antisemitische Konstruktion, dass \u00bbder Jude\u00ab als das Gegen\u00fcber von v\u00f6lkischen, nationalistischen und rassistischen Vorstellungen fungiere und somit als Feindbild identifiziert werden k\u00f6nne, ist so nicht neu und war in dieser Form auch nie verschwunden. Auch ist diese antisemitische Konzeption nicht auf Deutschland und Europa beschr\u00e4nkt, wenn auch der Vorg\u00e4ngerstaat der BRD versuchte, diese Weltvorstellung in den Konzentrationslagern in barbarischer Weise umzusetzen und viele der T\u00e4terInnen im Nachhinein niemals belangt und sogar noch mit wichtigen Posten in Politik und Wirtschaft \u00bbbelohnt\u00ab wurden. Aber eben auch antisemitische Anschl\u00e4ge wie die in Frankreich stehen in dieser Tradition aus antisemitischer Gewalt, Ausl\u00f6schungsfantasien und dem Hass auf alles, was nicht ins rassistische, religi\u00f6se oder nationalistisch-v\u00f6lkische Weltbild passt.<\/p>\n<p>Wir rufen dazu auf, sich diesem antisemitischen Wahn und der von ihm ausgehenden Gewalt \u2013 egal von wem diese ausge\u00fcbt wird \u2013 entgegenzustellen und diesen auch als solchen zu benennen. Daher werden wir am Freitag, dem 16.1.2015, unsere Wut \u00fcber diese antisemitische Gewalt auf die Stra\u00dfe und direkt nach Dorstfeld tragen.<\/p>\n<p>Gegen jeden Antisemitismus \u2013 Keine Ignoranz gegen\u00fcber antisemitischer Gewalt!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesen Tagen ist die Welt ersch\u00fcttert \u00fcber die Anschl\u00e4ge in Paris auf die Satire-Zeitschrift \u00bbCharlie Hebdo\u00ab. 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