{"id":1638,"date":"2016-03-19T14:31:51","date_gmt":"2016-03-19T13:31:51","guid":{"rendered":"http:\/\/aah.noblogs.org\/?p=1638"},"modified":"2016-03-20T22:51:51","modified_gmt":"2016-03-20T21:51:51","slug":"offener-brief-juergen-milski-bei-tuenner-party-nacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aah.noblogs.org\/?p=1638","title":{"rendered":"Offener Brief: J\u00fcrgen Milski bei &#8222;T\u00fcnner Party Nacht&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Der folgende, offene Brief wurde an die Veranstaltenden selbst sowie an Hammer Parteien und Medienvertreter*innen verschickt.<!--more--><\/p>\n<p>&#8222;Sehr geehrte Veranstaltende,<\/p>\n<p>am 16. April findet die von Ihnen organisierte &#8222;T\u00fcnner Party Nacht&#8220; statt. Ein Act des Abends soll der Schlagers\u00e4nger J\u00fcrgen Milski sein. Dieser fiel Ende Oktober 2015 durch einen Facebook-Post auf, der auch mediale Aufmerksamkeit bekam:<\/p>\n<p>\u201c<i>ICH K\u00d6NNTE GRADE KOTZEN !! WENN ICH IN K\u00d6LN BIN FAHRE ICH FA\u00dfT JEDEN TAG AM RHEIN ENTLANG ZUM SPORT..SEIT VIELEN MONATEN BEOBACHTE ICH WIE MENSCHEN DIE HIER BEI UNS IN DEUTSCHLAND GASTRECHT GENIE\u00dfEN WIE SIE UNTER DER HOHENZOLLERNBR\u00dcCKE DROGEN VERKAUFEN..!!!! (DAR\u00dcBER BERICHTETE \u00dcBRIGENS AUCH SCHONMAL EINE K\u00d6LNER TAGESZEITUNG) WAS WIRD DAGEGEN UNTERNOMMEN?? ICH KANN ES EUCH SAGEN\u2026NICHTS!!!DIESES DEALER PACK BEZIEHT SOZIALHILFE VON UNSERN STEUERGELDERN UND VERKAUFT AN UNSERE KINDER DROGEN!!! WAS WOLLEN WIR UNS EIGENTLICH NOCH ALLES GEFALLEN LASSEN??? GEMEINSAM SIND WIR STARK..!! FAHRT HIN..SCHAUT ES EUCH AN UND SCHREIBT MIR WAS IHR DAVON HALTET!! UND NUN K\u00d6NNEN MICH DIESE VERBL\u00d6DETEN<br \/>\nGUTMENSCHEN MICH WIEDER ALS NAZI BETITELN!! MEINE VIELEN AUSL\u00c4NDISCHEN FREUNDE T\u00fcrken,Albaner,Italiener,iraner,Kroaten,Bosnier,Slowenen..usw.) UND ICH LACHEN SICH DAR\u00dcBER KAPUTT!!!\u201d<\/i> (sic!)<\/p>\n<p>In diesem Post regt sich Milski \u00fcber vermeintliche Drogendealer auf, die unter der K\u00f6lner Hohenzollernbr\u00fccke Drogen verkaufen w\u00fcrden. Die \u201cDealer\u201d beschreibt er als \u201cMenschen die hier bei uns in Deutschland Gastrecht genie\u00dfen\u201d, also \u201cNicht-Deutsche\u201d.<br \/>\nWie er zu der Annahme kommt, dass diese Menschen keine \u201cDeutschen\u201d seien, erw\u00e4hnt er nicht, aber die Vermutung liegt nahe, dass ihm ein bestimmtes Aussehen ausreicht um die Personen in diese Kategorie einzuordnen. Diese weit verbreitete Kategorisierung von Menschen anhand ihres \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbilds und eine damit einhergehende, vermeintliche Staatszugeh\u00f6rigkeit, sind h\u00f6chst problematisch. Sie sorgen f\u00fcr eine Ungleichbehandlung von Menschen, sowohl im t\u00e4glichen Miteinander (\u201cWo kommst du denn her? Nein, ich meine bevor du hier in Deutschland warst!\u201d), als auch strukturell (beispielsweise \u201cRacial Profiling\u201d, eine Ausweiskontrolle und Unterstellung der Illegalit\u00e4t seitens der Polizei aufgrund der \u00e4u\u00dferen Erscheinung).<br \/>\nDie Behauptung, die \u201cDealer\u201d bez\u00f6gen \u201cSozialhilfe von unsern Steuergeldern\u201d soll wohl, wie bereits die Gegen\u00fcberstellung von dem Deutschen Milski und den nicht deutschen \u201cDrogendealern\u201d, ein \u201cWir\u201d-Gef\u00fchl, in Abgrenzung zu \u201cden Anderen\u201d erzeugen. Je nachdem ob er denkt, es mit \u201cherk\u00f6mmlich eingereisten\u201d Migrant*innen oder mit Asylsuchenden (was angesichts der allgemeinen, massiven Stimmungsmache gegen Letztere nicht unwahrscheinlich ist), w\u00e4re diese Behauptung nebenbei sachlich falsch \u2013 Asylsuchende k\u00f6nnen keine Sozialhilfe beziehen, sondern erhalten Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.<br \/>\nEine \u00e4hnliche Wirkung soll vermutlich auch durch die Aussage erreicht werden, die \u201cDealer\u201d w\u00fcrden \u201can unsere Kinder Drogen\u201d verkaufen, wobei es mehr als fraglich ist, ob dort tats\u00e4chlich Kinder Drogen kaufen. Nebenbei werden die \u201cDealer\u201d noch als \u201cPack\u201d bezeichnet. \u00dcber die sozialen N\u00f6te, die manche Menschen zu illegalen Handlungen treiben, denkt Milski nicht im Ansatz nach; unabh\u00e4ngig von deren Background werden sie herabgew\u00fcrdigt.<br \/>\nWas dann folgt, liest sich wie ein klassischer Aufruf von PEGIDA und Co.. Die Forderung, sich nicht mehr alles gefallen zu lassen und selbst an besagte Stelle zu fahren, k\u00f6nnte auch als Aufforderung verstanden werden, die Sache selbst zu regeln und somit Selbstjustiz zu \u00fcben. Wie solche Aufrufe enden k\u00f6nnen zeigen zahlreiche Anschl\u00e4ge auf Menschen oder Fl\u00fcchtlingsheime. &#8222;Gemeinsam sind wir stark&#8220; lautet \u00fcbrigens auch der Titel der Pegida-Hymne.<br \/>\nZum Schluss seines Textes richtet er sich noch an die \u201cverbl\u00f6deten Gutmenschen\u201d, von denen er schon vermutet, dass sie ihn aufgrund seines Textes als Nazi betiteln w\u00fcrden. Auch der Begriff \u201cGutmensch\u201d wird vor allem von politisch rechten Personen benutzt und diffamiert Menschen, die sich sozial engagieren. Im Zusammenhang mit der Zunahme der Fl\u00fcchtlingszahlen wurde der Begriff auch zum Unwort des Jahres 2015 gew\u00e4hlt.<br \/>\nAls Beweis f\u00fcr seine fehlende rassistische Gesinnung, f\u00fchrt Milski seine \u201cvielen ausl\u00e4ndischen Freunde\u201d an. Milski gibt sich hier dem Trugschluss hin, dass Menschen mit pers\u00f6nlichen (positiven) Beziehungen zu Zugeh\u00f6rigen einer Minderheitsgruppe, selbige unm\u00f6glich diskriminierend behandeln k\u00f6nnen. Meist werden jedoch die eigenen Freunde erh\u00f6ht und als positives Beispiel, im Gegensatz zu anderen, vermeintlichen Gruppenzugeh\u00f6rigen, positioniert. T\u00fcrken sind dann beispielsweise \u201calles Schmarotzer\u201d, nur der gute Freund X \u201cist f\u00fcr nen T\u00fcrken echt okay\u201d. Ausl\u00e4nder sind eben nur okay, wenn sie auch die selben Werte teilen, flei\u00dfig ackern und sich unauff\u00e4llig verhalten.<br \/>\nSelbstverst\u00e4ndlich ist bereits diese Kategorisierung in Deutsche und Nicht-Deutsche problematisch.<br \/>\n\u00c4hnliches dachte sich damals scheinbar auch die <a href=\"http:\/\/www.huffingtonpost.de\/2015\/11\/01\/jurgen-milski-big-brother-facebook-auslaender-drogendealer-_n_8445246.html\">Huffington Post<\/a>.<\/p>\n<p>Aufgrund der zahlreichen Rechtschreibfehler und der fast durchg\u00e4ngingen Nutzung von Gro\u00dfbuchstaben, lie\u00dfe sich vermuten, Milski habe im Affekt gehandelt.<br \/>\nEin weiterer Post einen Tag sp\u00e4ter zeigt aber, dass Milski seinen Text tats\u00e4chlich so meint wie er ihn geschrieben hat: Er postete ein Bild von einem L\u00f6wen mit den Worten \u201cEinen L\u00f6wen interessiert es nicht, was Schafe \u00fcber ihn denken\u201d, was nebenbei von einer ziemlich \u00fcberheblichen Einstellung zeugt.<br \/>\nEinen weiteren Tag sp\u00e4ter bezeichnete er die Kritiker*innen seines Textes in einem weiteren Post als \u201cGeisteskranke\u201d \u2013 ein Beweis daf\u00fcr, dass Milski wohl nicht viel von Meinungsfreiheit h\u00e4lt und hinter dem steht, was er zwei Tage zuvor schrieb.<\/p>\n<p>Aufgrund des von Milski verfassten Textes, der zutiefst pauschalisierend und beleidigend ist, und der dahinter stehenden, menschenverachtenden Einstellung, ist es f\u00fcr uns als Antifaschistische Aktion Hamm nicht hinnehmbar, dass dieser Person eine B\u00fchne gegeben wird.<br \/>\nWir hoffen, dass auch Sie unsere Einw\u00e4nde verstehen und appellieren hiermit an Sie, sich von J\u00fcrgen Milski zu distanzieren und ihn nicht auf der &#8222;T\u00fcnner Party Nacht&#8220; auftreten zu lassen. Sicherlich lassen sich andere, weniger problematische Acts finden, die J\u00fcrgen Milski ersetzen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<br \/>\nAntifaschistische Aktion Hamm&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende, offene Brief wurde an die Veranstaltenden selbst sowie an Hammer Parteien und Medienvertreter*innen verschickt.<\/p>\n","protected":false},"author":1605,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1638","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/aah.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1638","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/aah.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/aah.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/aah.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1605"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/aah.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1638"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/aah.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1638\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1659,"href":"https:\/\/aah.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1638\/revisions\/1659"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/aah.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1638"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/aah.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1638"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/aah.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1638"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}