{"id":1821,"date":"2017-07-27T14:45:20","date_gmt":"2017-07-27T12:45:20","guid":{"rendered":"https:\/\/aah.noblogs.org\/?p=1821"},"modified":"2017-07-27T14:45:20","modified_gmt":"2017-07-27T12:45:20","slug":"4-jahre-nsu-prozess-kein-schlussstrich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aah.noblogs.org\/?p=1821","title":{"rendered":"4 Jahre NSU-Prozess &#8211; Kein Schlussstrich"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1822\" src=\"https:\/\/aah.noblogs.org\/files\/2017\/07\/quadrat3.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/aah.noblogs.org\/files\/2017\/07\/quadrat3.jpg 500w, https:\/\/aah.noblogs.org\/files\/2017\/07\/quadrat3-150x150.jpg 150w, https:\/\/aah.noblogs.org\/files\/2017\/07\/quadrat3-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p><strong>Hier teilen wir den Aufruf des <a href=\"http:\/\/nsuprozess.blogsport.de\/\">B\u00fcndniss gegen Naziterror und Rassismus M\u00fcnchen<\/a>, dort findet Ihr auch weitere Informationen.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>4 Jahre <span class=\"caps\">NSU<\/span>-Prozess<\/strong><\/p>\n<p>Kein Schlussstrich!<\/p>\n<p>Aufruf zu einer Demonstration und Kundgebung zu Beginn der<br \/>\nUrteilsverk\u00fcndung im <span class=\"caps\">NSU<\/span>-Prozess in M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Am 6. Mai 2013 begann vor dem Oberlandesgericht M\u00fcnchen der Prozess gegen<br \/>\nBeate Zsch\u00e4pe, Andr\u00e9 Eminger, Holger Gerlach, Ralf Wohlleben und Carsten<br \/>\nSch. Voraussichtlich im Sommer 2017 wird der Prozess nach etwa 400<br \/>\nVerhandlungstagen zu Ende gehen. Unabh\u00e4ngig davon, welchen Ausgang der<br \/>\nProzess nimmt: F\u00fcr uns bleiben mehr Fragen als Antworten. Wir werden daher<br \/>\nzum Prozessende zusammen auf die Stra\u00dfe gehen. Denn wir werden den <span class=\"caps\">NSU<\/span><br \/>\nnicht zu den Akten legen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wir wollen wissen, wer f\u00fcr die Mordserie, die Anschl\u00e4ge und den Terror<br \/>\nverantwortlich ist. Die Beschr\u00e4nkung der Bundesanwaltschaft auf das Trio<br \/>\nB\u00f6hnhardt, Mundlos und Zsch\u00e4pe und ihr n\u00e4chstes Umfeld ignoriert den<br \/>\nNetzwerkcharakter des \u201eNationalsozialistischen Untergrunds\u201c. Der <span class=\"caps\">NSU<\/span> war<br \/>\nkeine isolierte Zelle aus drei Personen, der <span class=\"caps\">NSU<\/span> war auch mehr als die<br \/>\nf\u00fcnf Angeklagten vor dem Oberlandesgericht. Nicht zuletzt die Arbeit der<br \/>\nNebenklage hat diese Grundannahme l\u00e4ngst widerlegt. Ohne militante<br \/>\nNazi-Strukturen wie Blood and Honour, lokale Kameradschaften oder etwa den<br \/>\nTh\u00fcringer Heimatschutz um V-Mann Tino Brandt und Ralf Wohlleben, w\u00e4re der<br \/>\n<span class=\"caps\">NSU<\/span> wohl schwer m\u00f6glich gewesen. Die Aufkl\u00e4rung im Rahmen des Prozesses<br \/>\nwurde jedoch konsequent unterbunden, auch durch die eng gef\u00fchrte<br \/>\nAnklageschrift der Bundesanwaltschaft und die Weigerung, der Nebenklage<br \/>\nkomplette Akteneinsicht zu gew\u00e4hren.<\/p>\n<p>Es geht uns um die Entsch\u00e4digung der Betroffenen, \u00dcberlebenden und<br \/>\nHinterbliebenen sowie die W\u00fcrdigung ihrer Perspektive in der Debatte. Es<br \/>\nwar gerade auch das Umfeld der Mordopfer, das fr\u00fch darauf bestand, eine<br \/>\nrassistische Motivation f\u00fcr die Taten in die Ermittlungen einzubeziehen.<br \/>\nEtwa auf den Schweigem\u00e4rschen in Kassel und Dortmund, die unter dem Motto<br \/>\n\u201eKein 10. Opfer!\u201c die Aufkl\u00e4rung der Mordserie forderten. Stattdessen<br \/>\nrichteten sich die Untersuchungen vornehmlich gegen das Umfeld der Opfer<br \/>\nund Betroffenen. Immer wieder gerieten auch Hinterbliebene der Ermordeten<br \/>\nins Visier der Beh\u00f6rden. Aus der deutschen Mehrheitsgesellschaft konnten<br \/>\nsie keine gro\u00dfe Anteilnahme erwarten: als Menschen mit<br \/>\nMigrationsgeschichte durften sie nicht einfach Opfer sein \u2013 etwas<br \/>\npotentiell Kriminelles, irgendwie Gef\u00e4hrliches musste doch an ihnen<br \/>\nhaften. Dies zog sich wie ein roter Faden durch die Ermittlungen, sowohl<br \/>\nbei den \u201e\u010cesk\u00e1-Morden\u201c als auch bei den Anschl\u00e4gen des <span class=\"caps\">NSU<\/span>, etwa auf die<br \/>\nK\u00f6lner Keupstra\u00dfe, und das obwohl zum damaligen Zeitpunkt keinerlei<br \/>\nVerbindung zwischen den Taten zu bestehen schien. Doch es gab diese<br \/>\nVerbindung: die Ermordeten, die Verletzten, die Attackierten waren durch<br \/>\nihre Migrationsbiografie ins Visier des rassistischen Terrors geraten. Und<br \/>\nes waren rassistische Ressentiments bei Polizei und Sicherheitsbeh\u00f6rden,<br \/>\nwelche die Ermittlungen in die Irre f\u00fchrten, es waren rassistische<br \/>\nKlischees, die Presseberichterstattung und \u00d6ffentlichkeit dazu brachten,<br \/>\ndie fantastischen Erz\u00e4hlungen von mafi\u00f6sen und kriminellen Verstrickungen<br \/>\nder Betroffenen zu verbreiten.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen \u00fcber Rassismus reden. Rassismus ist ein gesellschaftliches<br \/>\nProblem. Und das gilt wortw\u00f6rtlich: Diese Gesellschaft hat ein<br \/>\nRassismusproblem, und zwar ein gewaltiges. Rassismus wird dabei<br \/>\nf\u00e4lschlicherweise oft nur bei klassischen Neonazis verortet. Ebenso findet<br \/>\nsich Rassismus auch jenseits der sogenannten neuen Rechten, die sich<br \/>\nhinter den Bannern von AfD, Pegida und Konsorten versammeln. Rassismus<br \/>\nfindet sich in \u00c4mter- und Beh\u00f6rdenpraxis, Polizeiarbeit, der Art wie<br \/>\ngesellschaftliche Ressourcen und Teilhabe verteilt werden. Rassismus<br \/>\nfindet sich in marktschreierischen Wahlkampfauftritten wie auch in subtil<br \/>\nund vornehm formulierten Leitartikeln. Rassismus zieht sich durch die<br \/>\nganze Gesellschaft: Weil die Gesellschaft, wie sie derzeit eingerichtet<br \/>\nist, Hierarchie, Ausbeutung und Ausgrenzung zwingend hervorbringt und<br \/>\nlegitimieren muss. Weil eine von Herrschaft durchzogene Gesellschaft, in<br \/>\nder Ressourcen und Positionen ungleich verteilt und umk\u00e4mpft sind, nicht<br \/>\nallein durch den Bezug auf eine angebliche gemeinsame \u201eKultur\u201c<br \/>\nzusammengehalten werden kann, sondern die Abwertung anderer \u201eKulturen\u201c<br \/>\nben\u00f6tigt. Weil die \u201eeigene\u201c Identit\u00e4t stabilisiert wird, indem negative<br \/>\nElemente auf die Projektion der \u201eAnderen\u201c abgew\u00e4lzt werden.<\/p>\n<p>Wir fordern die Abschaffung des Verfassungsschutzes. Der Verfassungsschutz<br \/>\nwusste nicht zu wenig, sondern zu viel. Das wurde bereits in den ersten<br \/>\nWochen nach der Selbstenttarnung des <span class=\"caps\">NSU<\/span> deutlich. Doch w\u00e4hrend Image und<br \/>\nLegitimit\u00e4t des Inlandsgeheimdienstes zumindest zwischenzeitlich Schaden<br \/>\nnahmen und und viele Stimmen bis weit ins b\u00fcrgerliche Lager seine<br \/>\nAbschaffung forderten, ging er letztlich doch unbeschadet aus der Aff\u00e4re<br \/>\nund steht mittlerweile wahrscheinlich sogar besser da als zuvor. Er konnte<br \/>\nnicht nur seine gesellschaftliche Reputation wiederherstellen, sondern<br \/>\nsogar seine Befugnisse ausweiten. F\u00fcr uns ist die Sache jedoch nicht<br \/>\nerledigt: F\u00fcr uns bleiben Fragen: Fragen bez\u00fcglich der wiederholten,<br \/>\nplanm\u00e4\u00dfigen Vernichtung relevanter Akten; Fragen zur Rolle des<br \/>\nVerfassungssch\u00fctzers Andreas Temme, der sich im Internetcaf\u00e9 Halit Yozgats<br \/>\naufhielt, als dieser ermordet wurde, und angeblich nichts bemerkt haben<br \/>\nwill; Fragen zu V-Mann Piatto, der schon 1998 wichtige Hinweise \u00fcber die<br \/>\nuntergetauchten B\u00f6hnhardt, Mundlos und Zsch\u00e4pe weitergab; Fragen zu Ralf<br \/>\nMarschner, der als V-Mann Primus im Kontakt mit den Untergetauchten<br \/>\ngestanden haben soll. Die Liste lie\u00dfe sich lange fortsetzen. Im Kampf<br \/>\ngegen rechte Strukturen schlie\u00dfen wir uns nicht den wiederkehrenden Rufen<br \/>\nan, der Verfassungsschutz solle k\u00fcnftig bitte auch diese oder jene rechte<br \/>\nGruppe beobachten. Nazis sind auch ohne Gelder, Aufbauarbeit und<br \/>\nlogistische Unterst\u00fctzung des Geheimdienstes gef\u00e4hrlich genug. Mindestens<br \/>\ndiese Lehre sollte aus dem <span class=\"caps\">NSU<\/span> gezogen werden.<\/p>\n<p>Wir wehren uns gegen rassistische Stimmungsmache und Gewalt. Der <span class=\"caps\">NSU<\/span> war<br \/>\nnicht die erste Neonazi-Terrororganisation und es sieht auch nicht so aus,<br \/>\nals sei er die letzte gewesen. In den letzten Monaten laufen und liefen<br \/>\nmehrere Prozesse gegen Zusammenschl\u00fcsse wie die \u201eOldschool Society\u201c oder<br \/>\ndie \u201eGruppe Freital\u201c. Daneben h\u00e4ufen sich die Meldungen von immer neuen<br \/>\nWaffenfunden bei rechten Strukturen, immer neue gewaltbereite rechte<br \/>\nOrganisierungsans\u00e4tze sprie\u00dfen regelrecht aus dem Boden. Die Zahl der<br \/>\nBrandanschl\u00e4ge und rassistischen \u00dcbergriffe ist in den letzten Jahren<br \/>\ngravierend angestiegen. Und w\u00e4hrend sich der nette Herr von nebenan im<br \/>\nInternet mit \u201eMigrantenschreck\u201c genannten Schusswaffen eindeckt, legen die<br \/>\nEntscheidungstr\u00e4ger_innen mit dem Abbau des Asylrechts und neuen<br \/>\nIntegrationsgesetzen vor, setzen Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde und das Bundesamt f\u00fcr<br \/>\nMigration und Fl\u00fcchtlinge auf Abschreckung, werden Sammelabschiebungen auf<br \/>\nden Weg geschickt und Abschiebelager hochgezogen.<\/p>\n<p>Nach vier Jahren l\u00e4sst sich ein frustrierendes Fazit ziehen. Noch immer<br \/>\nwird rechte Gewalt verharmlost, noch immer darf sich der Verfassungsschutz<br \/>\nals Besch\u00fctzer inszenieren, noch immer hat diese Gesellschaft Rassismus<br \/>\nnicht \u00fcberwunden, noch immer ist es n\u00f6tig auf den institutionellen<br \/>\nRassismus in Deutschland hinzuweisen, wie das erst j\u00fcngst die UN und<br \/>\nNichtregierungsorganisationen getan haben und wie es Selbstorganisierungen<br \/>\nvon Betroffenen nicht erst seit gestern tun. Es wurden von Seiten der<br \/>\nMehrheitsgesellschaft keine erkennbaren Lehren aus dem <span class=\"caps\">NSU<\/span> gezogen.<br \/>\nH\u00f6chste Zeit also, dass sich das \u00e4ndert. Initiativen wie \u201eKeupstra\u00dfe ist<br \/>\n\u00fcberall\u201c oder das \u201eNSU-Tribunal\u201c und die zahlreichen Vereinigungen die<br \/>\nlokal im Zusammenhang mit der Aufarbeitung des <span class=\"caps\">NSU<\/span> zusammen kamen, haben<br \/>\nvorgemacht wie es geht.<\/p>\n<p>Am Tag der Urteilsverk\u00fcndung wollen wir mit euch auf die Stra\u00dfe gehen.<br \/>\nDenn f\u00fcr uns bedeutet das Ende des Prozesses nicht das Ende der<br \/>\nAuseinandersetzung mit dem <span class=\"caps\">NSU<\/span> und der Gesellschaft, die ihn m\u00f6glich<br \/>\nmachte:<\/p>\n<p>Kein Schlussstrich! \u2013 <span class=\"caps\">NSU<\/span>-Komplex aufkl\u00e4ren und aufl\u00f6sen!<\/p>\n<p>Verfassungsschutz aufl\u00f6sen \u2013 V- Leute abschaffen!<\/p>\n<p>Dem aktuellen rassistischen Terror gegen Fl\u00fcchtlinge und MigrantInnen<br \/>\nentgegentreten!<\/p>\n<p>Rassismus in Beh\u00f6rden und Gesellschaft bek\u00e4mpfen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier teilen wir den Aufruf des B\u00fcndniss gegen Naziterror und Rassismus M\u00fcnchen, dort findet Ihr auch weitere Informationen. 4 Jahre NSU-Prozess Kein Schlussstrich! 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