{"id":559,"date":"2011-08-19T08:07:06","date_gmt":"2011-08-19T06:07:06","guid":{"rendered":"http:\/\/aah.noblogs.org\/?p=559"},"modified":"2011-08-19T08:07:06","modified_gmt":"2011-08-19T06:07:06","slug":"02-september-auf-nach-dortmund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aah.noblogs.org\/?p=559","title":{"rendered":"02. September &#8211; Auf nach Dortmund!"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Aufruf zur linksradikalen Vorabenddemonstration des Dortmunder Antifa-B\u00fcndnisses zum Antikriegstag 2011 in Dortmund<\/p>\n<p>Am 3. September 2011 wollen Neonazis, vor allem aus den Reihen der  \u201eAutonomen Nationalist_innen\u201c, bereits zum siebten Mal anl\u00e4sslich des  von ihnen sogenannten \u201eNationalen Antikriegstags\u201c in Dortmund  demonstrieren. Sie mobilisieren erneut gegen \u201eimperialistische  Kriegstreiberei und Aggressionskriege\u201c und wollen ihre rassistische,  antisemitische und antiamerikanische Ideologie in die \u00d6ffentlichkeit  tragen. Mehr als Grund genug, den vermeintlichen Antiimperialismus der  Neonazis genauer zu beleuchten und zu kritisieren.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Von \u201eUSrael\u201c und anderen M\u00e4rchen \u2013 Neonazistischer \u201eAntiimperialismus\u201c<\/strong><br \/>\nDie Neonazis st\u00fctzen ihren \u201eAntiimperialismus\u201d auf ein Weltbild, in dem  vor allem die USA und Israel als imperialistische Staaten auftreten und  als Weltpolizei und angebliche Hegemonialmacht dargestellt werden. Den  europ\u00e4ischen Nationalstaaten wird dabei lediglich die Rolle von  Handlangern und \u201eVasallen\u201c zugeschrieben. Die vorgebliche Gegnerschaft  der Nazis \u201egegen Krieg und Kapitalismus\u201c ist also im Wesentlichen ein  propagandistisches Instrument, um die Ideologie, in der die USA, Israel  und die westliche Welt im Allgemeinen als das \u00dcbel der Welt und Gegner  des \u201edeutschen Volkes\u201c ausgemacht werden, zu rechtfertigen. Die  Antikriegsrethorik der Neonazis richtet sich dementsprechend nur gegen  Kriege, die von den USA gef\u00fchrt und als Gegensatz  volksgemeinschaftlicher Interessen ausgemacht werden. Denn grunds\u00e4tzlich  haben sie nichts gegen Kriege einzuwenden, solange sie nur \u201ef\u00fcr Volk,  Rasse und Nation\u201c gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Zwar stellen die Neonazis ihre Position als antiimperialistisch und  antikapitalistisch dar, doch widerspricht dieses Selbstbild nicht nur  der realen Politik ihrer historischen Vorbilder, sondern auch ihrer  eigenen politischen Programmatik. Denn nach wie vor fordern die Nazis  eine Revision der nationalstaatlichen Grenzziehungen in Europa \u2013  zugunsten und im Sinne Deutschlands, wie sich versteht. Und auch mit dem  Antikapitalismus der extremen Rechten ist es nicht weit her.  Verbalradikale Angriffe gegen Kapitalismus und Ausbeutung geh\u00f6ren zwar  seit jeher zum propagandistischen Repertoire faschistischer und  nationalsozialistischer Bewegungen, doch wurden die antikapitalistischen  Elemente ihrer Ideologie dort, wo der Faschismus tats\u00e4chlich zur Macht  gelangte, stets revidiert. Die materiellen Grundlagen kapitalistischer  Produktionsweise, wie das Privateigentum an Produktionsmitteln, der  Tausch und die Lohnarbeit, wurden von den Nazis und anderen  faschistischen Bewegungen ohnehin nie in Frage gestellt. Der vorgebliche  Antikapitalismus der Nazis ist zudem auch immer mit einer zutiefst  wahnhaften und antisemitischen Ideologie verkn\u00fcpft. Bereits im  historischen Nationalsozialismus wurde das Bild des \u201eraffenden\u201c  j\u00fcdischen Kapitalisten bem\u00fcht, dessen Einfluss sich angeblich  \u201ezersetzend\u201c auf den so genannten \u201edeutschen Volksk\u00f6rper\u201c auswirke.  Sprechen Neonazis in ihren Pamphleten heutzutage also von Kapitalisten  und Ausbeutern, dann meinen sie damit nicht etwa die Besitzer_innen von  Produktionsmitteln, sondern Juden und J\u00fcdinnen.<br \/>\nWenn die Dortmunder Neonazis in ihrem Aufruf zum diesj\u00e4hrigen  \u201eNationalen Antikriegstag\u201c dementsprechend wieder einmal wortreich die  Aussen- und Sicherheitspolitik der USA und Israels gei\u00dfeln, dann liegt  dem weder eine generelle Ablehnung von Kriegen noch eine \u00f6konomische  Analyse des Verh\u00e4ltnisses von kapitalistischer Produktionsweise und  nationalstaatlichen Expansionsbestrebungen zugrunde, sondern eine  antisemitische und antiamerikanische Ideologie, gepaart mit dem  Bestreben, eigenen nationalen Interessen zu ihrem Recht zu verhelfen.<\/p>\n<p><strong>Linker Antiimperialismus, Friedensbewegung &amp; neue Kriege<\/strong><br \/>\nDie Nazis versuchen mit ihrem Aufmarsch zum Antikriegstag an Themen und  Positionen der linken und b\u00fcrgerlichen Friedensbewegung anzukn\u00fcpfen.  Zwar sind diese Bem\u00fchungen nicht gerade von Erfolg gekr\u00f6nt, denn  Neonazis sind und bleiben in Deutschland eine gesellschaftlich isolierte  Gruppe. Doch statt einer (selbst)kritischen Auseinandersetzung mit dem  vermeintlichen Antiimperialismus der Neonazis reagieren viele Linke mit  Emp\u00f6rung und Unverst\u00e4ndnis auf die feindliche \u00dcbernahme \u201eihrer\u201c Themen  durch die extreme Rechte, obwohl es mitunter nicht gelingt, eine  deutliche Abgrenzung gegen\u00fcber einzelnen Positionen der Neonazis zu  leisten:<\/p>\n<p>Der Hass auf die USA tritt auch beim Mainstream der vermeintlichen  Mitte und sogar bei Linken als eine Form von Antikapitalismus auf: Dem  us-amerikanischen Kapitalismus, der von einer Betonung des individuellen  Leistungsethos gepraegt ist, wird in Europa ein angeblich sozialer  Kapitalismus gegen\u00fcbergestellt, wo Moral statt Profitgier herrscht und  welcher sich durch Wohlfahrtstaatlichkeit und soziale Gerechtigkeit  auszeichnet. Dass allerdings jeder kapitalistische Staat in einem System  agiert, in dem es darum geht, Profit zu machen und eben nicht darum,  menschliche Bed\u00fcrfnisse zu befriedigen, wird dabei ausgeblendet. Wenn  die USA Krieg f\u00fchren, wie zum Beispiel im Irak, gehen Tausende Menschen  auf die Stra\u00dfe, um gegen Krieg zu demonstrieren. Anl\u00e4sslich des ersten  deutschen Angriffskriegs seit Ende des zweiten Weltkriegs im Jahr 1999  waren die Gegendemonstrationen hingegen nur sp\u00e4rlich besucht. Ebenso  wird der problematische Zusammenhang zwischen Antizionismus und  Antisemitismus untersch\u00e4tzt: Nicht nur aufgrund der h\u00e4ufigen  antisemitischen Ausf\u00e4llen bei Demonstrationen gegen Israel und dessen  Politik, sondern auch aufgrund der besonderen Aufmerksamkeit, welche dem  j\u00fcdischen Staat entgegengebracht wird, sind solche Aktionen  kritikw\u00fcrdig. Nur allzu oft best\u00e4tigt sich, dass bei der Be- bzw.  Verurteilung israelischer Politik doppelte Standards angelegt werden.  Derart hohe moralische beziehungsweise politische Anforderungen werden  erst gar nicht auf andere westliche Demokratien angewandt und schon gar  nicht von Israels arabischen Nachbarstaaten gefordert.<\/p>\n<p>Den Grund f\u00fcr die fehlende Trennsch\u00e4rfe sehen wir auch darin, dass es  der radikalen Linken bislang nicht gelungen ist, die entstehenden  globalen Konflikte nach dem Ende der Blockkonfrontationen zu analysieren  und eine angemessene (antimilitaristische) Antwort zu finden. Die  Privatisierung der Kriegs\u00f6konomie, der asymmetrische Charakter des  Kriegsgeschehens, die zunehmend gegen Zivilbev\u00f6lkerungen gef\u00fchrten  Kriege, das Verwischen der Grenzen zwischen polizeilichen und  milit\u00e4rischen Eins\u00e4tzen, die Kriegsstrategien der neuen Hegemonen Europa  und China, die Modernisierung der Kriegstechnologien: All diese neuen  Ph\u00e4nomene sind bislang wenig durchdrungen und gesellschaftlich  verallgemeinert, sodass in dem dadurch entstehenden Vakuum verk\u00fcrzte  Vorstellungen gedeihen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Kapitalismus, Imperialismus und Krieg \u2013 F\u00fcr eine Kritik, die den Namen verdient!<\/strong><br \/>\nEine konsequente Kritik an Imperialismus und Krieg darf sich also nicht  auf die scheinbar unmoralische oder angeblich v\u00f6lkerrechtswidrige  Au\u00dfenpolitik einzelner Staaten fixieren, sondern muss diese Ph\u00e4nomene  als notwendige Folgen der bestehenden kapitalistischen  Produktionsverh\u00e4ltnisse begreifen. Innerhalb dieser Ordnung fungieren  Staaten als Interessenvertreter ihres nationalen Kapitals, auf dessen  Erfolg der Staat wiederum in hohem Ma\u00dfe angewiesen ist, um sich selbst  in der internationalen Staatenkonkurrenz behaupten zu k\u00f6nnen. Die  (gegebenenfalls auch milit\u00e4rische) Sicherung von Rohstoffen und globalen  Absatzm\u00e4rkten im Interesse ihres nationalen Kapitals geh\u00f6rt insofern zu  den Kernaufgaben staatlichen Handelns. Staaten, die dieser Anforderung  nicht gerecht werden, verlieren damit auf lange Sicht ihre eigene  Existenzgrundlage.<\/p>\n<p>Eine Kritik an den Zust\u00e4nden, welche diesen Namen auch verdient, muss  zwingend auch eine Kritik am b\u00fcrgerlichen Nationalstaat sein. Krieg  stellt die ultima ratio zur Durchsetzung au\u00dfenpolitischer Interessen  dar, doch auch innerstaatliche Unterdr\u00fcckungsmechanismen sichern die  Aufrechterhaltung der bestehenden Ordnung und die Durchsetzung seiner  Interessen. Darunter ist aber nicht nur die Strafverfolgung bei Vergehen  gegen die b\u00fcrgerliche Rechtsordnung zu verstehen, sondern auch die  vielf\u00e4ltigen Spielweisen struktureller Unterdr\u00fcckung, welcher alle  Teilnehmer_innen der Gesellschaft unterliegen. Konstituierendes Moment  ist dabei die Bereitschaft, sich ins nationale Kollektiv zu integrieren  und dessen Reichtum zu mehren. Ist diese nicht erkennbar, droht  teilweise ganzen Personengruppen sozialchauvinistische und\/oder  rassistische Hetze, Leistungsk\u00fcrzungen und Abschiebungen. Auch die  Forderung nach einer angemessenen Partizipation am gesellschaftlichen  Reichtum wird wahlweise mit immer neuen Sachzw\u00e4ngen oder direkter  Repression beantwortet.<\/p>\n<p>Der Kampf gegen Imperialismus und Krieg hat also nur dann eine  Aussicht auf Erfolg, wenn ihre \u00f6konomischen und sozialen Grundlagen  \u00fcberwunden werden. An die Stelle einer auf Kapitalakkumulation, auf  Ausbeutung, Konkurrenz und Tausch basierenden \u00d6konomie m\u00fcssen  gesellschaftlich geplante Produktionsverh\u00e4ltnisse und  Verteilungsmechanismen treten, die der Bed\u00fcrfnisbefriedigung der  Menschen dienen. Dass wir uns dabei von den Irrt\u00fcmern der Geschichte mit  ihren teilweise dramatischen Folgen abwenden: eigentlich \u00fcberfl\u00fcssig zu  erw\u00e4hnen. Nur die soziale Revolution \u2013 das St\u00fcrzen aller Institutionen,  welche die Unterdr\u00fcckung reproduzieren \u2013 kann zum Ziel einer befreiten,  solidarischen und staatenlosen Gesellschaft f\u00fchren.<\/p>\n<p>Wir bleiben nicht passiv, auf die befreite Gesellschaft zu warten  w\u00e4re Wahnsinn. Daher beziehen wir t\u00e4glich aktiv Position sowohl gegen  Neonazis und deren Ideologien, als auch gegen allt\u00e4glichen Rassismus und  Antisemitismus. Um ein (m\u00f6glichst) sch\u00f6nes Leben aller schon in der  Gegenwart zu erreichen, f\u00fchren und unterst\u00fctzen wir die K\u00e4mpfe um  Teilhabe an Entscheidungen und gegen das Vordringen des  Kapitalverh\u00e4ltnisses in jeden Winkel unseres Lebens.<\/p>\n<p><strong>Gegen Rassismus, Antisemitismus und Antiamerikanismus!<br \/>\nF\u00fcr eine befreite Gesellschaft!<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufruf zur linksradikalen Vorabenddemonstration des Dortmunder Antifa-B\u00fcndnisses zum Antikriegstag 2011 in Dortmund Am 3. 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