{"id":593,"date":"2011-10-04T22:41:01","date_gmt":"2011-10-04T20:41:01","guid":{"rendered":"http:\/\/aah.noblogs.org\/?p=593"},"modified":"2011-10-05T15:51:37","modified_gmt":"2011-10-05T13:51:37","slug":"nachbereitung-01-oktober","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aah.noblogs.org\/?p=593","title":{"rendered":"Nachbereitung 01. Oktober"},"content":{"rendered":"<p>HAMM &#8211; Am 01. Oktober 2011 marschierte die neonazistische  Kameradschaft Hamm mit Anhang durch den Stadtteil Heessen, um ihre  rassistische Hetze und den Mythos vom \u201eVolkstod\u201c zu verbreiten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/okt1.noblogs.org\/files\/2011\/10\/01okt1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"https:\/\/okt1.noblogs.org\/files\/2011\/10\/01okt1-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Um  dem entgegenzutreten rief das antifaschistische Jugendb\u00fcndnis  \u201eHaekelclub 590\u201c zu einer Demonstration unter dem Motto: \u201eGemeinsam  gegen Rassismus und soziale Ausgrenzung \u2013 F\u00fcr eine freie Welt ohne\u00a0  Grenzen!\u201c auf. Diesem folgten \u00fcber 600 Menschen aus den verschiedensten  gesellschaftlichen und politischen Kreisen. Die Demo verlief kraftvoll  und friedlich.<!--more--><br \/>\n<a href=\"https:\/\/okt1.noblogs.org\/files\/2011\/10\/01okt2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"https:\/\/okt1.noblogs.org\/files\/2011\/10\/01okt2-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Anfangs  noch begleitet von nur wenigen Streifenpolizisten machte sich die Demo  vom Bahnhof auf in Richtung Innenstadt. Erst als am Westentor f\u00fcnf Nazis  die Demospitze beschimpfte und sich darauf in den Vorraum einer nahen  Bank fl\u00fcchten mussten, wurde eilig die M\u00fcnsteraner Hundertschaft aus  Heessen abgezogen. Wie gewohnt waren die Bereitschaftspolizist_innen  wesentlich gereizter. Trotzdem lie\u00df sich die Demo von Provokationen  durch die Polizei nicht beeindrucken und reagierte besonnen.<br \/>\nAls diese sp\u00e4ter versuchte Einzelne aus dem Antifa Block herauszuziehen,  wurden diese vom Rest der Demo kurzerhand umrundet und abgeschirmt.  Auch das Verhalten von Demo-Orga und Order_innen half die Situation  wieder zu beruhigen. Auch bei anderen Gelegenheiten half das  solidarische Miteinander der Demonstrierenden jegliche  Eskalationsversuche der Polizei ins Leere laufen zu lassen. Die  Demonstration, wie auch die veranstaltenden Gruppen, bewiesen  eindrucksvoll, dass sie sich nicht gegen einander ausspielen lassen.<br \/>\nDies ist f\u00fcr Hamm ein vollkommenes Novum. Es konnte mit der  Demonstration nicht nur ein deutliches Zeichen gegen die ebenfalls am  Samstag stattgefundene Neonazi-Demonstration gesetzt werden, sondern  auch gezeigt werden, dass es in Hamm m\u00f6glich ist in einem breiten  B\u00fcndnis solidarisch mit einander zu arbeiten. Der jahrelange Tenor aus  Wegschauen und Anti-Extremismusquatsch konnte durchbrochen werden.<\/p>\n<p>Zwei Stunden sp\u00e4ter begann die Demonstration der neonazistischen  \u201eKameradschaft Hamm\u201c in Hamm-Heessen. Hier marschierten, laut Polizei,  287 Neonazis aus ganz Deutschland unter dem Motto \u201eVolkstod stoppen! Wir  lassen uns nicht BRDigen!\u201c. In diesem Jahr schlug der Versuch den  Aufmarsch in der Innenstadt oder dem Westen anzumelden fehl. So  latschten die Nazis durch Hamm-Heessen. Wie schon im Jahr zuvor der  Hammer Westen war auch Heessen von \u00fcber 700 Bereitschaftspolizist_innen  abgeriegelt worden. Menschen, die nicht im Bereich des Aufmarsches  wohnten und in gr\u00f6\u00dferen Gruppen auftraten wurden mit Platzverweisen  verwiesen oder kamen gar nicht erst an die Route heran. W\u00e4hrenddessen  durften die Nazis in ihren Reden, im Beisein der Polizei,  Ekelhaftigkeiten wie: \u201cdie Verantwortlichen und Profiteure der  herrschenden Zust\u00e4nde, [sind] kompromi\u00dflos zu beseitigen.  Stra\u00dfenlaternen f\u00fcr diese \u00fcberschaubare Clique aus Politik, Wirtschaft  und oberen Zehntausend gibt es schlie\u00dflich genug.\u201c in Mikrofon br\u00fcllen.<\/p>\n<p>Anders als im letzten Jahr lie\u00dfen sich viele Anwohner_innen nicht von  Polizei und Nazis einsch\u00fcchtern. Mehrfach gelang es Gruppen von jungen  und alten Anwohner_innen und anderen Gegendemonstrant_innen, die es  trotz der Abriegelung nach Heessen geschafft hatten, an die Nazis heran  zu kommen und konnten so immer wieder den Aufmarsch st\u00f6ren. Viele  Anwohner_innen haben die B\u00fcndnisplakate in Fenster gehangen oder hielten  sie aus den Fenstern, w\u00e4hrend der Aufmarsch an ihnen vorbei zog.<\/p>\n<p><strong>Ausblick\/Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Es scheint als versuchten die Hammer Nazis, neben Terminen wie dem  Antikriegstag in Dortmund und Stolberg, Hamm als festen j\u00e4hrlichen  Termin zu etablieren. So k\u00fcndigen sie schon jetzt eine weitere  Demonstration im n\u00e4chsten Jahr an.<\/p>\n<p>Allerdings hat sich die Situation in Hamm ver\u00e4ndert: In der  Vergangenheit wurden die Aufm\u00e4rsche in der lokalen Presse so gut wie  ignoriert und Gegenproteste als \u201eextremistisch\u201c diffamiert. Nun scheint  es in Hamm eine Wende in der Wahrnehmung der Stadtverwaltung, sowie in  den Parteien und Verb\u00e4nden zu geben. Die Lokalpresse berichtet, nach  jahrelangem kleinreden der Neonazi-Aktivit\u00e4ten in Hamm, \u00fcber eine rechte  Szene. Und es ist erstmalig m\u00f6glich eigene Inhalte auch auf diesem Weg  einem breiteren Publikum zug\u00e4nglich zu machen. Auch wenn hier diverse  Angriffe auf lokale Parteib\u00fcros zu einem Wechsel der \u00f6ffentlichen  Wahrnehmung beitragen haben, ist der Stimmungswechsel in Hamm positiv zu  bewerten.<\/p>\n<p>Nicht zu Letzt tr\u00e4gt das antifaschistische Jugendb\u00fcndnis \u201eHaekelclub  590\u201c, das sich 2010 im Zuge des Nazi-Aufmarsches im Hammer Westen  gr\u00fcndete, zu dieser Stimmungs\u00e4nderung bei. Durch das B\u00fcndnis sollen  antifaschistische Initiativen und Aktivit\u00e4ten in Hamm geb\u00fcndelt werden,  um eigene Inhalte einem gr\u00f6\u00dferem Publikum vermitteln zu k\u00f6nnen und  effektiver auf neonazistische Aktivit\u00e4ten zu reagieren und hin zu  weisen.<br \/>\nWir freuen uns, dass es dem \u201eHaekelclub 590\u201c\u00a0 in diesem Jahr gelungen  ist, sich mit der Demonstration und der guten Presse- und B\u00fcndnisarbeit  einen Namen zu machen. Dies wird uns in den n\u00e4chsten Jahren helfen den  Widerstand und Protest gegen die neonazistischen Umtriebe und noch  kommenden Demonstrationen auszuweiten.<\/p>\n<p>Betrachtet man hingegen die eifrige Mobilisierungsarbeit der Nazis,  so ist diese weitgehend erfolglos geblieben. Die Polizei z\u00e4hlte 287 (  280 im Vorjahr) Teilnehmende. Was sie geboten bekamen? Eine Latschdemo  abgesichert von massiven Polizeikr\u00e4ften durch ein abgesperrtes Viertel.<\/p>\n<p>Die Nazis schwadronieren indes von einem erfolgreichen \u201eMarsch der  300\u201c und vergleichen sich pathostriefend mit den Spartiaten in der  antiken Schlacht bei den Thermopylen, \u00e4hnlich wie schon G\u00f6ring 1943 bei  der Schlacht in Stalingrad auf diesen Untergangs-Mythos zur\u00fcckgriff. Wie  immer, wenn es um historische Begebenheiten geht mit leichten Schw\u00e4chen  f\u00fcr\u00b4s Detail:<br \/>\nOb die Spartiaten bei der Schlacht auch von \u00fcber 700 \u201cBereitschaftspolizist_innen\u201c besch\u00fctzt werden mussten?<\/p>\n<p><strong>Richtigstellung<\/strong><\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten an dieser Stelle deutlich Wolfgang M\u00fcller widersprechen.  In einem Artikel des lokalen Westf\u00e4lischen Anzeigers wird dieser wie  folgt zitiert:<br \/>\n\u201eUnsere Intention, ein friedliches Zeichen gegen Rechtsextremismus zu  setzen, ist voll aufgegangen\u201c, sagte M\u00fcller. Hilfreich sei es gewesen,  dass der \u201e Runde Tisch gegen Extremismus und Gewalt\u201c alle Beteiligten  unter einen Hut bekommen habe. In der Tat hatten in Hamm erstmals alle  Gegner der Rechtsextremen gemeinsam zum Protest aufgerufen.\u201c<br \/>\nWir m\u00f6chten klarstellen, dass nicht der \u201e Runde Tisch gegen Extremismus  und Gewalt\u201c bestehend u.a. aus CDU-Stadtverwaltung und Polizei die  Akteure zusammengebracht hat.<br \/>\nDas solidarische Miteinander ist den jungen Menschen vom \u201eHaekelclub  590\u201c zu verdanken, und wir sehen nicht ein, dass Stadt und Verwaltung,  nach \u00fcber acht Jahren Ignoranz, diesen Tag f\u00fcr sich proklamieren.<\/p>\n<p>An dieser Stelle noch mal herzlichen Dank an alle Unterst\u00fctzer_innen  und Helfer_innen, sowie solidarische Gr\u00fc\u00dfe an das gesamte B\u00fcndnis. Wir  sind auf einem guten Weg. Lasst uns dran bleiben!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>HAMM &#8211; Am 01. 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