{"id":604,"date":"2011-10-22T10:21:01","date_gmt":"2011-10-22T08:21:01","guid":{"rendered":"http:\/\/aah.noblogs.org\/?p=604"},"modified":"2011-10-22T10:22:50","modified_gmt":"2011-10-22T08:22:50","slug":"never-forget-never-forgive","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aah.noblogs.org\/?p=604","title":{"rendered":"never forget, never forgive!"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/9novwuppertal.blogsport.de\/\" target=\"_blank\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/9novwuppertal.blogsport.de\/images\/9NOVBANNER2.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<p>In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 fanden in fast allen  deutschen und \u00f6sterreichischen St\u00e4dten Pogrome statt in denen Synagogen,  Gesch\u00e4fte und Wohnh\u00e4user von j\u00fcdischen B\u00fcrgern und B\u00fcrgerinnen oder  Menschen, die in der NS-Ideologie zu \u201cJuden\u201d gemacht wurden,  niederbrannten. Zahlreiche J\u00fcdinnen und Juden wurden ermordet oder  festgenommen und misshandelt. Auch in Wuppertal kam es zu jenen  organisierten Gewaltausbr\u00fcchen, die auch nicht vor Privatwohnungen halt  machten. Die Synagogen in Elberfeld und Barmen brannten komplett aus.  Erst 2002 wurde in Wuppertal Barmen eine neue Synagoge errichtet. In  allen St\u00e4dten beteiligten sich hunderte B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger an den  von der SA begonnenen Zerst\u00f6rungen und Pl\u00fcnderungen. Dies war nur ein  vorl\u00e4ufiger H\u00f6hepunkte des Antisemitismus in Deutschland, welcher sp\u00e4ter  in dem Versuch der Ausl\u00f6schung des gesamten europ\u00e4ischen Judentums  endete.<!--more--><\/p>\n<p>Mit der Reichspogromnacht wurde deutlich, dass die Bev\u00f6lkerung die  NS-Politik gegen Menschen, die als j\u00fcdisch eingeordnet wurden mittrug.  Da nicht nur der Ausschluss aus vielen Bereichen des \u00f6ffentlichen  Lebens, sondern auch offene Gewalttaten gesellschaftlich akzeptiert  wurden, konnte die antisemitische und rassistische Politik der  NationalsozialistInnen gegen Juden radikalisiert werden. Schon zuvor gab  es zahlreiche rechtliche und gesellschaftspolitische Ma\u00dfnahmen, die f\u00fcr  einen gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Ausschluss sorgen sollten. 1933 wurde von der  NSDAP zu ersten Boykottaktionen j\u00fcdischer Gesch\u00e4fte aufgerufen.  Anschlie\u00dfend wurden j\u00fcdische Kinder und Jugendliche aus deutschen  Schulen und Universit\u00e4ten gezielt entfernt, da diese angeblich \u00fcberf\u00fcllt  waren. Die meisten Ma\u00dfnahmen wurden mit einer Bedrohung des deutschen  Volkes durch das \u201cWeltjudentum\u201d begr\u00fcndet. So f\u00fchrte \u201cder Jude\u201d in dem  von Verschw\u00f6rungsdenken durchzogenem Weltbild der  Nationalsozialist_innen angeblich durch \u201cdie Presse\u201d, die in j\u00fcdischer  Hand verortet wurde, einen L\u00fcgenfeldzug gegen das deutsche Volk. Daher  wurde Juden und J\u00fcdinnen auch die Arbeit in den Medien verboten. 1935  beschloss die NSDAP die \u201cReinhaltung deutschen Blutes\u201d in den N\u00fcrnberger  Rassengesetzen, nach denen \u201cJuden\u201d keinen Geschlechtsverkehr mit  \u201cNicht-Juden\u201d haben durften. Auf das Berufsverbot in der  Medienlandschaft folgt der Ausschluss von Juden aus \u00c4mtern, den  Rechtsanwalts- und \u00c4rztekammern und vielen anderen Berufsgruppen. Zudem  wurden Juden sozial diffamiert wo und wie es nur ging. Es gab  \u201cJudenfreie W\u00e4lder\u201d, \u201cJudenfreie Seeb\u00e4der\u201d, Ortseingangs-Schilder, auf  denen stand, dass Juden nicht willkommen seien und allgegenw\u00e4rtige  verbale Angriffe.<\/p>\n<p>Auch wenn heute bekannt ist, dass der Pogrom am 9. November von der  NS-F\u00fchrung inszeniert war, bleibt die kr\u00e4ftige Beihilfe der \u201cganz  normalen\u201d B\u00fcrger_innen von zentraler Bedeutung. In fast allen deutschen  St\u00e4dten griffen hunderte Menschen zu Steinen und Fackeln. Ohne sie  h\u00e4tten die Pogrome niemals jene Ausma\u00dfe annehmen k\u00f6nnen. Wohnungen und  Gesch\u00e4fte wurden von den unmittelbaren Nachbarn zerst\u00f6rt und gepl\u00fcndert.  Mit den Pogromen setzte die deutsche Volksgemeinschaft, bei der  Antisemitismus und Rassismus l\u00e4ngst zu konstituierenden Elementen  geworden waren, ein Zeichen. Ein Zeichen, dass es keinen Platz f\u00fcr  j\u00fcdische Mitb\u00fcrger_innen in dieser Volksgemeinschaft gab.<\/p>\n<p>Aus Sicht der NS-F\u00fchrung waren die Tage um den 9.November also nicht  nur hinsichtlich der konkreten Zerst\u00f6rung hunderter Synagogen ein  Erfolg, sondern auch ein gro\u00dfer Erfolg ihrer antisemitischen Propaganda.  Sie konnten res\u00fcmieren: Das deutsche Volk legt sich gewaltbereit gegen  Volksfeinde ins Zeug. Es war erkennbar geworden wie weit der Volksmob in  seiner Zerst\u00f6rungswut gehen w\u00fcrde, wenn es gegen Juden und J\u00fcdinnen  geht. Stimmen gegen die Gewalt gab es kaum und wenn, dann meist in Form  von Emp\u00f6rung dar\u00fcber, dass das gepl\u00fcnderte Gut nicht aufgeteilt, sondern  zerst\u00f6rt wurde. Die NS-Presse schuf f\u00fcr die Ereignisse den zynischen  Begriff \u201cReichskristallnacht\u201d, um die Pogrome bei denen Menschen  ermordet, ungef\u00e4hr tausend Synagogen und Gemeindeh\u00e4user niedergebrannt  und mehrere tausend Gesch\u00e4fte und Wohnungen zerst\u00f6rt wurden, zu  verherrlichen. In den Tagen danach wurden ungef\u00e4hr 30.000 als Juden  definierte Menschen in Konzentrationslager verschleppt. Damit stellt der  9. November den Auftakt zur Shoa dar.<\/p>\n<p>Es ist bezeichnend, dass der verharmlosende Begriff  \u201cReichskristallnacht\u201d noch heute eine g\u00e4ngige Bezeichnung f\u00fcr den 9.  November ist. Dabei r\u00fchmen sich die Deutschen damit  Aufarbeitungsweltmeister zu sein. Was das allerdings genau bedeutet ist  fraglich. Wenn mit Aufarbeitung gemeint ist, jedes Jahr an drei Tagen  die immer gleichen Gedenkreden zu halten, mag Deutschland wirklich  Aufarbeitungsweltmeister sein. Auch im Fernsehprogramm laufen  wiederkehrend an Tagen wie dem 9. November oder dem 8. Mai Beitr\u00e4ge zum  \u201cdunkelsten Kapitel Deutschlands\u201d. Doch das wie von einem Tape  abgespulte Faktenwissen und Gedenken an die Verbrechen des  Nationalsozialismus \u2013 und noch mehr \u00fcber den 2. Weltkrieg \u2013, t\u00e4uscht  dar\u00fcber hinweg, dass all dies am Kern des Problems vorbeigeht: Einer  Analyse und Kritik der Ideologie der deutschen Volksgemeinschaft. Ohne  eine solche verfehlt die Aufarbeitung ihr eigentliches Ziel. N\u00e4mlich,  dass sich das Geschehen niemals wiederholt. In abgeschw\u00e4chter und  transformierter Form sorgte das vor allem auf Rassismus, Antisemitismus,  Nationalismus und Volkgemeinschaft beruhende Weltbild der Nazis auch  nach der \u201eWiedervereinigung\u201c f\u00fcr hunderte Tote und Pogrome wie z.B. in  Rostock-Lichtenhagen nicht nur durch organisierte Nazis, sondern auch  durch den Mob der \u201canst\u00e4ndigen Deutschen\u201d.<\/p>\n<p>Doch die deutsche Gedenkpolitik ignoriert nicht nur die Grundlagen  der NS-Ideologie, sondern verfolgt g\u00e4nzlich andere Ziele. Das Bedauern  gilt nicht prim\u00e4r den Opfern der Shoa, sondern der deutschen Nation und  den Deutschen, die unter der deutschen Geschichte und dem Schicksal  nicht unverkrampft stolz auf ihre Nation sein zu k\u00f6nnen, leiden. So wird  auch h\u00e4ufig \u201callen Opfern von Faschismus und Krieg\u201d gedacht \u2013 also  gleicherma\u00dfen den im KZ Ermordeten und den mordenden Wehrmachtssoldaten.  Diese fehlenden Unterscheidung von T\u00e4ter_innen und Opfern wird beim  Gedenken an die \u201cBombenn\u00e4chte\u201d auf die Spitze getrieben. Dort wird der  Spie\u00df umgedreht und aus der Bev\u00f6lkerung, die am 9. November 1938 die  Scheiben von \u201cj\u00fcdischen Gesch\u00e4ften\u201d einwarf, wird nicht selten ein  unschuldiges Opfer \u201cdes Krieges\u201d.<br \/>\nDiese Denkweise bietet auch gro\u00dfe Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr Neonazis.  Ebendiese versuchen immer offensiver nicht nur  geschichtsrevisionistische Positionen, sondern klassische NS-Symboliken  auf die Stra\u00dfe zu tragen. Ein ausgebliebener Skandal stellt z.B. die  Kundgebung der NPD Essen am 9.November 2010 in Essen-Borbeck dar, trugen  doch die Neonazis bei der Veranstaltung NPD-Fahnen und Fackeln. Die  Verh\u00f6hnung der Opfer der Reichspogromnacht ist schon durch die blo\u00dfe  Anwesenheit der Neonazis vollkommen. Doch setzt es dem Ganzen die Krone  auf, dass Neonazis am 9.November mit brennenden Fackeln auf einem  \u00f6ffentlichen Platz stehen konnten und jeder und jedem klar war, dass die  Fackeln symbolisch f\u00fcr die brennenden Synagogen getragen wurden.<\/p>\n<p>Da der Antisemitismus der deutschen Bev\u00f6lkerung nicht von der  NS-F\u00fchrung aufgezwungen wurde, sondern die Vernichtung des europ\u00e4ischen  Judentums von der deutschen Bev\u00f6lkerung mitgetragen wurde, verschwand  der Antisemitismus auch nicht mit der Kapitulation Deutschlands. Auch  heute noch sind Rassismus und Antisemitismus allt\u00e4glich pr\u00e4sent. Daher  darf das Gedenken an die Opfer der Shoa kein Lippenbekenntnis sein,  sondern muss daf\u00fcr K\u00e4mpfen den Schwur von Buchenwald endlich zu  erf\u00fcllen: Den Faschismus an seinen Wurzeln \u2013 also auch seine  ideologischen Grundlagen \u2013 zu vernichten.<\/p>\n<p><strong><em>Gegen Nazis, Volksgemeinschaft und Geschichtsrevisionismus!<br \/>\nNie wieder Deutschland!<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Nacht vom 9. auf den 10. 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