{"id":699,"date":"2012-03-05T12:07:20","date_gmt":"2012-03-05T11:07:20","guid":{"rendered":"http:\/\/aah.noblogs.org\/?p=699"},"modified":"2012-03-05T19:33:28","modified_gmt":"2012-03-05T18:33:28","slug":"gegen-1000-kreuze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aah.noblogs.org\/?p=699","title":{"rendered":"Gegen 1000 Kreuze!"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<p>Zum wiederholten Mal wollen am 10. M\u00e4rz 2012 christlich-fundamentalistische Abtreibungsgegner_innen unter dem Motto \u201e1000 Kreuze f\u00fcr das Leben\u201c durch M\u00fcnsters Innenstadt ziehen. Sie selbst geben als ihr Hauptanliegen an, mit ihrem Gebetszug ein \u201eZeichen zum Gedenken der 1000 Kinder [Embryonen], die an einem gew\u00f6hnlichen Werktag in Deutschland get\u00f6tet werden,\u201c setzen zu wollen. Als wei\u00dfe Holzkreuze tragende Prozession geben diese Christ_innen nicht nur ein groteskes Bild ab, mit ihren reaktion\u00e4ren Positionen propagieren sie ein, frauenfeindliches, sexistisches und homophobes Weltbild. Bereits in den letzten Jahren organisierte sich dagegen vielf\u00e4ltiger Protest und auch in diesem Jahr sollen die reaktion\u00e4ren Positionen nicht unwidersprochen bleiben.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Schwangerschaftsabbruch ist Frauenrecht \u2013 \u00a7 218 abschaffen!<\/strong><br \/>\nAn der Entscheidungsfreiheit eines Menschen dar\u00fcber, welche Eingriffe an dem eigenen K\u00f6rper vorzunehmen sind, spiegelt sich individuelle Freiheit, Menschenw\u00fcrde und Selbstbestimmung. Unter dem Deckmantel des \u201eSchutzes ungeborenen Lebens\u201c fordern die selbsternannten \u201eLebenssch\u00fctzer\u201c nichts anderes, als die Bestimmung \u00fcber den K\u00f6rper von Schwangeren. Der Versuch Frauen zu zwingen, sich und ihren K\u00f6rper in den Dienst der \u201eLebensrettung\u201c eines Embryos und der Reproduktion der Gemeinschaft zu stellen, ist Ausdruck einer gewaltvollen Zuschreibung, die Frauen zu Geb\u00e4rmaschinen degradiert und ihnen das Recht auf eigene Bed\u00fcrfnisse, \u00dcberzeugungen und ein selbstbestimmtes Leben abspricht. Mit der Behauptung Schwangerschaftsabbruch sei Mord und die abgetriebenen Embryos bereits Kinder wird versucht, manipulativ moralischen Druck auf schwangere Frauen auszu\u00fcben und gesellschaftliche Emp\u00f6rung zu sch\u00fcren. Die angebliche Zahl von 1000 \u201aermordeten\u2018 Embryonen entbehrt jeder statistischen Grundlage und ist frei erfunden.<br \/>\nJeder Mensch muss das Recht auf einen selbstbestimmten Umgang mit dem eigenen K\u00f6rper haben! Trotzdem sind Schwangerschaftsabbr\u00fcche in der BRD nach wie vor nicht legal, sondern werden nur unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. Zwangsberatung, medizinische Indikation) nicht mehr strafrechtlich verfolgt. Deshalb bleibt die Forderung nach einem uneingeschr\u00e4nkten Recht auf Abtreibung, ohne Zwangsberatung und ohne Bevormundung bestehen!<\/p>\n<p><strong>Homophobie, Sexismus und ein reaktion\u00e4res Frauenbild<\/strong><br \/>\nNeben dem Recht auf Schwangerschaftsabbruch bek\u00e4mpfen fundamentalistische Christ_innen aller Konfessionen Homosexualit\u00e4t und jede andere Formen sexueller Selbstbestimmung. Homosexualit\u00e4t wird als Krankheit, S\u00fcnde oder Perversion bezeichnet und gilt gr\u00f6\u00dftenteils als \u201aheilbar\u2018. Dazu gesellt sich ein \u201avon Gott gegebenes\u2018 Geschlechterrollenbild, welches eine Ver\u00e4nderung der traditionellen Rollenverteilung oder den Gedanken an die soziale Konstruktion von Geschlecht \u00fcberhaupt nicht zul\u00e4sst.<br \/>\nAuf ihrer Homepage schreibt Euro pro Life, eine der Organisationen, die zum 1000 Kreuze Marsch aufrufen: \u201eKinder sterben, die geliebt werden m\u00f6chten, die leben wollen, die einen Platz in unserer Gesellschaft brauchen, die dem Leben ihrer Eltern Sinn geben w\u00fcrden.\u201c Die Vorstellung von Ehe und Familie als Zentrum christlicher Werte und der \u201ag\u00f6ttliche Auftrag der Vermehrung\u2018 entstammen ihrer Bibelauslegung und dem Absolutheitsanspruch des eigenen Glaubens. In dem daraus resultierendem Weltbild wird jede Abweichung von der christlichen Norm als S\u00fcnde begriffen und \u201aS\u00fcndern\u2018 die Existenzberechtigung abgesprochen. So sagte beispielsweise der Erzbischof von Granada, Javier Martinez, in seiner Weihnachtspredigt 2011, dass eine Frau die abtreibt \u201eeinem Mann ohne Einschr\u00e4nkungen die absolute Lizenz zum Missbrauch ihres K\u00f6rpers gibt, denn sie hat Schuld auf sich geladen\u201c.<br \/>\nDiese patriarchale, sexistische und autorit\u00e4re Vorstellung von Familie, Sexualit\u00e4t oder dem Sinn des Lebens widerspricht einer eigenverantwortlichen und selbstbestimmten Lebensweise, die die sexuelle Selbstbestimmung ebenso beinhaltet, wie eine bed\u00fcrfnis- und lebenssituationsorientierte Antwort auf die Frage nach Schwangerschaft oder Elternschaft.<\/p>\n<p><strong>Rassismus und Relativierung des Holocaust<\/strong><br \/>\nHomosexualit\u00e4t und Schwangerschaftsabbruch, so die Abtreibungsgegner_innen, w\u00fcrden zudem zum Aussterben des \u201eeurop\u00e4ischen Volkes\u201c f\u00fchren. Diese ultrakonservative Anschauung, die sich die Reproduktion der eigenen \u201eRasse\u201c zur Aufgabe macht, offenbart rassistische Denkmuster und erkl\u00e4rt, warum sich auch in M\u00fcnster jedes Jahr Neonazis dem Aufzug dieser Christ_innen anschlie\u00dfen. Da \u00fcberrascht es kaum noch, dass die \u201eLebenssch\u00fctzer\u201c in Anlehnung an den Begriff Holocaust vom \u201e\u201aBabycaust\u201c\u2018 sprechen und damit den Massenmord an den europ\u00e4ischen J\u00fcdinnen und Juden im Nationalsozialismus relativieren. Der Erfinder des Begriffes \u201eBabycaust\u201c, Klaus-G\u00fcnther Annen, \u2013 der auch f\u00fcr die rechte Wochenzeitung Junge Freiheit schreibt \u2013 war beim 1000Kreuze Marsch 2009 anwesend. Die \u00dcberg\u00e4nge zwischen Abtreibungsgegner_innen und Neonazis sind inhaltlich und personell flie\u00dfend.<\/p>\n<p><strong>\u2026aus der Mitte der Gesellschaft<\/strong><br \/>\nAn vielen Punkten, an denen die fundamentalistischen Christ_innen anderen Menschen die Selbstbestimmung und sogar die Existenzberechtigung absprechen, treffen sich diese inhaltlich mit dem rechts-konservativen Mainstream der sogenannten Mitte der Gesellschaft. So kann mittlerweile ein Bundespr\u00e4sident ohne Probleme auf Tagungen evangelikaler Fundamentalist_innen auftreten und auf gro\u00dfen Jugendevents werden Workshops zur Heilung von Homosexualit\u00e4t angeboten. Das Problem ist nicht eine kleine Splittergruppe, die Holzkreuzetragend durch M\u00fcnster oder andere St\u00e4dte zieht. Das Problem ist, dass diese Gruppen missionarisch ihre Inhalte verbreiten und gezielt versuchen, z.B. \u00fcber Veranstaltungen und Medienpr\u00e4senz wichtige gesellschaftlicher Positionen zu besetzen und Einfluss auf Politik und Gesellschaft zu nehmen.<\/p>\n<p><strong>Widerstand l\u00e4sst sich nicht verbieten<\/strong><br \/>\nDie Polizeistrategie der letzten Jahre bestand darin, die Gegenaktivist_innen einzukesseln und den Kreuzemarsch anschlie\u00dfend durchzusetzen. Auch deswegen ist es wichtig, den Protest gegen diese christlichen Fundamentalist_innen an viele Orte der Stadt zu tragen und auf ganzer Strecke zu verhindern, dass sie ihre reaktion\u00e4ren und menschenverachtenden Inhalte ungest\u00f6rt verbreiten k\u00f6nnen. Auch wenn die Staatsanwaltschaft M\u00fcnster mit ihrer Konstruktion der Versammlungssprengung versucht jeglichen Protest zu verhindern: Widerstand ist notwendig und legitim! Der Kampf um das Recht auf Abtreibung ist international, er wird in Deutschland bereits seit \u00fcber 100 Jahren gef\u00fchrt und ist auch weiterhin unverzichtbar.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr die Abschaffung des \u00a7218 und die vollst\u00e4ndige Legalisierung von Schwangerschaftsabbr\u00fcchen! My body, my choice \u2013 f\u00fcr ein herrschaftsfreies und selbstbestimmtes Leben!<br \/>\nAm 10.M\u00e4rz in M\u00fcnster fundamentalistische Christ_innen abschirmen!<\/strong><\/p>\n<p>Alle Infos findet ihr <a href=\"http:\/\/gegen1000kreuze.blogsport.de\/\" target=\"_blank\">hier -&gt;<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum wiederholten Mal wollen am 10. M\u00e4rz 2012 christlich-fundamentalistische Abtreibungsgegner_innen unter dem Motto \u201e1000 Kreuze f\u00fcr das Leben\u201c durch M\u00fcnsters Innenstadt ziehen. 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