{"id":743,"date":"2012-03-04T13:40:05","date_gmt":"2012-03-04T12:40:05","guid":{"rendered":"http:\/\/aah.noblogs.org\/?p=743"},"modified":"2012-03-04T13:40:05","modified_gmt":"2012-03-04T12:40:05","slug":"erstes-fazit-des-keinen-meter-bundnisses","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aah.noblogs.org\/?p=743","title":{"rendered":"Erstes Fazit des \u201cKeinen Meter\u201d-B\u00fcndnisses"},"content":{"rendered":"<p>Ein hochaufger\u00fcsteter Polizeiapparat erm\u00f6glichte am 3. M\u00e4rz durch die hermetische Abriegelung des Stadtteils Rumphoprst und massive Gewaltanwendung 300 Nazis die Verbreitung ihrer rassistischen Propaganda gegen den Protest von \u00fcber 7000 Gegendemonstrant_innen.<!--more--><\/p>\n<div>\n<p><strong>Proteste des \u201cKeinen Meter\u201d-B\u00fcndnis<\/strong><br \/>\nMindestens 7000 Menschen beteiligten sich heute an den Protesten gegen den Naziaufmarsch.<br \/>\n300 Menschen zogen schon um kurz vor 10:00 Uhr vom Edelbach \u00fcber das Feld in Richtung der Route des Naziaufmarsches. Die Demonstrierenden hielten sich an den vom B\u00fcndnis ver\u00f6ffentlichten Aktionskonsens und verhielten sich nicht eskalierend gegen\u00fcber der Polizei. Trotzdem wurde die Blockadegruppe auf dem Feld und dem angrenzenden Wald von Polizeibeamt_innen mit Pfefferspray, Schlagst\u00f6cken, Pferden und Hunden angegriffen. Auch sp\u00e4ter versuchten Gruppen von Demonstrierenden in das hermetisch abgeriegelte Viertel Rumphorst zu gelangen, was auch immer wieder kurzfristig gelang.<br \/>\nIm Rumphorst-Viertel gab es den ganzen Tag \u00fcber kreative Protestaktionen der Anwohner_innen: Von einer Gospelchorprobe mit 50 Menschen, \u00fcber lautes Topfschlagen, Transparente und Stra\u00dfenmalereien bis hin zu immer wieder laut ge\u00e4u\u00dferter Ablehnung direkt an der Nazidemo. Im Hagenfeld und in der Telemannstra\u00dfe gab es wiederholt kleinere Sitzblockaden, die jedoch unter dem Druck der Polizei leider zu einem symbolischen Protest wurden. Insgesamt setzten die Anwohner_innen trotz der massiven Einsch\u00fcchterungstaktik der Polizei im Vorfeld und am 3. M\u00e4rz ein deutliches Zeichen gegen die Nazis.<br \/>\nDie Polizei hingegen versuchte heute, das Viertel unter einen polizeilichen Hausarrest zu stellen: Anwohner_innen konnten sich zeitweise nur noch in ihren H\u00e4usern aufhalten und wurden sogar in ihren eigenen G\u00e4rten bedr\u00e4ngt. Selbst die Feier eines 90. Geburtstages musste auf Druck der Polizei abgebrochen werden. Die vorab ausgestellten pers\u00f6nlichen Einladungen ins Viertel wurden immer wieder ignoriert.<br \/>\nAus dem Hansaviertel fuhren am Morgen \u00fcber 150 Menschen in einem Fahrradkorso zusammen nach Rumphorst, um sich dort den Protesten anzuschlie\u00dfen.<br \/>\nViele Tausend Menschen protestierten im Tagesverlauf lautstark an den Polizeiabsperrungen, so zum Beispiel an der \u201cKeinen Meter\u201d-Kundgebung am Hohen Heckenweg\/Piusallee. \u00dcber 1000 Menschen versammelten sich zudem spontan an der K\u00f6sliner Stra\u00dfe und \u00fcbert\u00f6nten dort die erste Zwischenkundgebung der Nazis. Auch am Westausgang des Bahnhofes Zentrum-Nord protestierten den ganzen Tag \u00fcber mehrere hundert Menschen. Auf allen Kundgebungen gab es ein Kulturprogramm und Redebeitr\u00e4ge.<br \/>\nTrotz dieses bunten und vielf\u00e4ltigen Protestes, konnte das \u201cKeinen Meter\u201d-B\u00fcndnis das Ziel, den Neonaziaufmarsch am 3. M\u00e4rz in M\u00fcnster zu verhindern, nicht erreichen. Ausschlaggebend hierf\u00fcr war nicht der mangelnde Protestwillen der Gegendemonstrierenden, sondern das inakzeptable Verhalten der Polizei.<\/p>\n<p><strong>Tag von Polizeigewalt \u00fcberschattet<\/strong><br \/>\nSchon seit den fr\u00fchen Morgenstunden war klar, dass die Polizei mit aller Gewalt den Naziaufmarsch durchsetzen wollte.<br \/>\nWasserwerfer, R\u00e4umpanzer und martialisch auftretende Polizeieinheiten waren seit dem fr\u00fchen Morgen im Rumphorstviertel im Einsatz und riegelten das Gebiet hermetisch ab: Versuche, sich von au\u00dfen den Absperrungen zu n\u00e4hern, f\u00fchrten immer wieder zum Einsatz von Kn\u00fcppeln und Pfefferspray. Ernsthafte Verletzungen von friedlichen Demonstrierenden wurden dabei provoziert oder zumindest billigend in Kauf genommen.<br \/>\nTrauriger H\u00f6hepunkt der Polizeigewalt war die lebensgef\u00e4hrliche Verletzung eines Gegendemonstranten, der mit einer Kopfverletzung bewusstlos auf der Intensivstation behandelt werden musste. Im Laufe des Abends stabilisierte sich dessen Zustand gl\u00fccklicherweise wieder. Hier h\u00e4tte der Polizeieinsatz fast ein Menschenleben gekostet.<br \/>\nAu\u00dferdem wurden in Sprakel anreisende Gegendemonstrant_innen von der Polizei gestoppt und unter Einsatz von Gewalt gezwungen, ihren Zug zu verlassen. Auch bei diesem Polizeieinsatz wurden mehrere Demonstrierende verletzt. Erst nach der Intervention eines Anwalts wurde ihnen die Anreise nach M\u00fcnster erlaubt. Auch sie wurden in der Aus\u00fcbung ihres verbrieften Rechts auf Versammlungsfreiheit massiv eingeschr\u00e4nkt.<br \/>\nMutma\u00dflich um diese Umst\u00e4nde vor den Augen der kritischen \u00d6ffentlichkeit zu verbergen wurde Journalist_innen der Zugang zum Viertel teilweise nicht gew\u00e4hrt, auch die als parlamentarische Beobachterin anwesende Bundestagsabgeordnete Ingrid Remmers wurde an der Aus\u00fcbung ihrer T\u00e4tigkeit gehindert: Sie wurde von der Polizei festgenommen. gefesselt abgef\u00fchrt und f\u00fcr zweieinhalb Stunden inhaftiert. \u201cWas ich heute hier gesehen und erlebt habe ist erschreckend: berechtigter Protest wird kriminalisiert und den Nazis der Weg freigekn\u00fcppelt\u201d, stellt Ingrid Remmers r\u00fcckblickend auf ihrer Webseite fest.<\/p>\n<p><strong>Demonstration gegen Polizeigewalt massiv behindert<\/strong><br \/>\nAm fr\u00fchen Abend demonstrierten deswegen 400 Menschen als Reaktion auf das skandal\u00f6se Verhalten der Polizei ab Hauptbahnhof gegen Polizeigewalt. Im Gegensatz zum vom Polizeipr\u00e4sidenten Wimber so hoch gehaltenen Demonstrationsrecht der Nazis wurde dieser Demonstration die angemeldete Route ohne Not verwehrt.<br \/>\nDass die Einsatzleitung ausgerechnet die Polizeieinheit, die in Verdacht steht, f\u00fcr die schwere Verletzung der in die Klinik eingelieferten Person verantwortlich zu sein, auf der Demonstration einsetzte, empfanden die Teilnehmer_innen als klare Provokation. Zus\u00e4tzlich versuchte die Polizei durch das Begleiten im Spalier die Au\u00dfenwirkung des Protestes einzuschr\u00e4nken. Entsprechend laut und deutlich \u00e4u\u00dferten die Demonstrierenden ihre Wut und ihr Unverst\u00e4ndnis.<br \/>\n<strong><br \/>\nFazit<\/strong><br \/>\n\u201cWir sind beeindruckt von dem Protestwillen der Gegendemonstrant_innen in M\u00fcnster und von au\u00dferhalb. Trotz der massiven Schikanen der Polizei protestierten sie weiter entschlossen gegen den Naziaufmarsch in M\u00fcnster. Die gro\u00dfe Zahl an Teilnehmenden aus unterschiedlichsten Spektren mindert die Entt\u00e4uschung \u00fcber den stattgefundenen Naziaufmarsch etwas.\u201d, so Carsten Peters, Sprecher des \u201cKeinen Meter\u201d-B\u00fcndnis\u00b4.<br \/>\nVom B\u00fcndnis werden in den n\u00e4chsten Tagen noch detailliertere Auswertungen folgen. Fest steht f\u00fcr uns schon jetzt, dass der skandal\u00f6se Einsatz der Polizei nicht ohne Folgen bleiben darf. Unser Dank gilt allen, die heute couragiert gegen Rassismus und soziale Ausgrenzung auf der Stra\u00dfe waren. Wir w\u00fcnschen den Verletzten alles Gute.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein hochaufger\u00fcsteter Polizeiapparat erm\u00f6glichte am 3. 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