{"id":988,"date":"2012-12-16T20:19:04","date_gmt":"2012-12-16T19:19:04","guid":{"rendered":"http:\/\/aah.noblogs.org\/?p=988"},"modified":"2013-01-01T21:10:01","modified_gmt":"2013-01-01T20:10:01","slug":"magdebuch-12-02-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aah.noblogs.org\/?p=988","title":{"rendered":"Magdeburg &#8211; 12.01.2012"},"content":{"rendered":"<p><strong>365 Tage offensiv \u2013 Gegen Nazis und Rassismus!<\/strong><br \/>\n<em>Aufruf zur antifaschistischen Demonstration am 12. \/ 19. Januar 2013 (1)<\/em><\/p>\n<p>Im Januar 2013 wollen erneut hunderte Nazis durch Magdeburg marschieren. Grund daf\u00fcr ist, wie auch in den vergangenen Jahren, der Versuch \u00fcber die\u00a0 Bombadierung der Stadt Magdeburgs im Zweiten Weltkrieg ein\u00a0 geschichtsrevisionistisches Bild zu verbreiten. Dabei konstruieren sie eine angeblich \u201cunschuldige deutsche Zivilbev\u00f6lkerung\u201c im Nationalsozialismus. Dass Magdeburg R\u00fcstungszentrum mit zehntausenden ZwangsarbeiterInnen f\u00fcr die Fortsetzung des Krieges bedeutsam war (2), wird bewusst ausgeblendet. Diese Verdrehung der Geschichte und das Auslassen von historischen Fakten ist fester Bestandteil der Nazipolitik.<br \/>\nWie in den vergangenen Jahren auch werden verschiedene Gruppen, B\u00fcndnisse und Initiative zu Aktivit\u00e4ten gegen den Naziaufmarsch im Januar aufrufen. Dazu geh\u00f6rt erstmalig das neu gegr\u00fcndete B\u00fcndnis \u201eMagdeburg Nazifrei\u201c dessen Zielsetzung die Verhinderung das Naziaufmarsches durch friedliche Menschen-Blockaden ist.<br \/>\nWir als linksradikale Gruppe rufen ebenfalls zu Aktionen gegen das Nazievent auf. Doch wollen wir nicht beim Antifaschismus als Minimalkonsens stehen bleiben, sondern an diesem Tag eine Kritik an den \u201cganz normalen Verh\u00e4ltnissen\u201d \u00e4u\u00dfern und die gesellschaftlich verankerten Ursachen des Naziproblems benennen.<br \/>\nAntifaschistische Politik darf sich nicht auf einzelne Events beschr\u00e4nken, Nazis sind das ganze Jahr \u00fcber aktiv und m\u00fcssen kontinuierlich bek\u00e4mpft werden. Dazu m\u00fcssen Widerspr\u00fcche und menschenfeindliche Einstellung in der Gesellschaft analysiert, aufgedeckt und bek\u00e4mpft werden.<br \/>\nDabei steht f\u00fcr uns fest, dass ein sich j\u00e4hrlich neu entdeckter \u201eNazis Raus! Antifaschismus\u201c nichts an dem eigentlichen Problem \u00e4ndert. Das Ziel ist eine kontinuierliche, auf Theorie basierende linksradikale Praxis. Dabei ist es eine von vielen Aufgaben Nazis den \u00f6ffentlichen Raum zu nehmen.<\/p>\n<p><em>Wer \u00fcber Rassismus aus der \u201cMitte\u201d nicht reden will, der sollte auch \u00fcber Naziaufm\u00e4rsche schweigen\u2026<\/em><\/p>\n<p>Die Notwendigkeit sich gegen Nazis zur Wehr zu setzen steht f\u00fcr uns au\u00dfer Frage \u2013 dabei lassen wir uns nicht von einer moralisierenden Gewaltdebatte im vorauseilenden Gehorsam zwingen, st\u00e4ndig unsere Friedfertigkeit zu betonen. Wir k\u00f6nnen und wollen nicht friedlich sein, solange es die Verh\u00e4ltnisse nicht sind. Dass dies auf verschiedenen Ebenen geschieht beweist nicht nur ein Verfassungsschutz, der die Aktivit\u00e4ten von Naziterroristen verschleiert und f\u00f6rdert.(3) In Sachsen-Anhalt ist es die Polizei, welche auf friedliche Demonstrierende solange einpr\u00fcgelt, bis Menschen schwer verletzt werden und irreversible Sch\u00e4den davon tragen.(4)<br \/>\nUnter diesen Zust\u00e4nden ist der Naziaufmarsch nur ein Event im rassistischen Normalzustand, in welchem permanent Verh\u00e4ltnisse voller Gewalt produziert werden. 2013 j\u00e4hrt sich die de facto Aufl\u00f6sung des Grundrechts auf Asyl zum 20. mal. Als sich im August 1992 mehrere Tausend Menschen in Rostock an einem Pogrom gegen Migrant_innen beteiligten, waren die beteiligten Nazis nur ausf\u00fchrende Werkzeuge einer chauvinistischen Grundhaltung, welche in den K\u00f6pfen der gesamten \u201cdeutschen\u201d Bev\u00f6lkerung verankert ist. Dankbar wurden die rassistischen Ausschreitungen aufgegriffen, um die monatelange \u201cAsyldebatte\u201d in Deutschland durch einen \u201eKompromiss\u201c zu beenden, der es unm\u00f6glich machen sollte, dass Menschen in Deutschland Schutz finden. Mit derselben Geisteshaltung organisiert sich derzeit eine ganze Nachbarschaft gegen die Einrichtung einer Unterkunft f\u00fcr Asylbewerber_innen im Leipziger Stadtteil Wahren. Die Anwohner_innen argumentieren mit absurden rassistischen Argumenten, beispielsweise dem bef\u00fcrchteten Wertverlust von Grundst\u00fccken oder der Zunahme von Drogen- und Beschaffungskriminalit\u00e4t. (5)<br \/>\nSolche Ereignisse beweisen, wie wenig die \u201cdemokratische Mitte\u201d vom dem eigentlich als extremistisch definierten \u201crechten Rand\u201d entfernt ist.<\/p>\n<p>Ungeachtet der Offensichtlichkeit weit verbreiteter menschenverachtender Einstellungen (6) wird in b\u00fcrgerlichen Medien die Einteilung von \u201cguten Demokraten\u201d und \u201cb\u00f6sen Extremisten\u201d stetig reproduziert. Damit konstruiert sich die b\u00fcrgerliche Mitte ein unkritisches Eigenbild, welches rassistische, antisemitische oder chauvinistische Einstellungen ignoriert. Menschenverachtende Einstellungen werden auf gesellschaftliche R\u00e4nder projektiert, in der Folge bleiben neben der Demokratie-kompatiblen Mitte jene \u201cextremistischen\u201d Gruppen, die aus allen politischen Prozessen ausgeschlossen und mit Repression bek\u00e4mpft werden. Obwohl dieses Modell zur Erkl\u00e4rung der Gesellschaft politkwissenschaftlich vielfach widerlegt wurde (7), ist es weiterhin sehr wirkm\u00e4chtig im Diskurs \u00fcber Nazis.<br \/>\nRassismus aber nur als ein Problem von Nazis abzutun, w\u00fcrde der Realit\u00e4t nicht ansatzweise gerecht werden. Wir wissen, dass Rassismus als gesamtgesellschaftliches Problem und Herrschaftskonstrukt einen strukturellen Ursprung im Aufbau der bestehenden Gesellschaftsform hat.<\/p>\n<p>Eine kapitalistisch bedingte Form von Unterscheidung der Menschen in einem f\u00fcr die Ausbeutung nutzbaren Wert pr\u00e4gt ebenfalls das herrschende Denken. Ein reflexartiger Zustand, der besonders in Zeiten von wirtschaftlichen Krisen immer wieder versch\u00e4rft und durch bestehende Gesetze und Beh\u00f6rden reproduziert wird. Die Einteilung von Menschen in \u201cn\u00fctzlich\u201d oder \u201cunwert\u201d ist also systemimmanent und begegnet uns in den Zumutungen und Sch\u00e4digungen jeden Tag. Dabei spielen immer zwei verschieden Faktoren mit: \u00f6konomische Interessen sowie ein historisch gewachsener Rassismus. Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn Nazis glauben mit ihren Aktionen ganz im Sinne der Bev\u00f6lkerung zu handeln; sie sind eben nur der v\u00f6lkische und destruktivste Ausdruck in einer Gesellschaft der Sarrazins und Buschkowskys.<br \/>\nDie Nazis auf der Stra\u00dfe setzen oftmals nur das in die Tat um, was als Grundtenor in rassistischen und sozialdarwinistischen Mehrheitsmeinungen vertreten wird. Durch den Aufbau der bestehenden Ordnung ist Ungleichheit von Menschen vorausgesetzt. Daher verwundert es nicht, dass die deutsche Gesellschaft so etwas wie Nazis immer wieder hervorbringt. Eine Kritik an Rassismus, sowie an der Einteilung von Menschen in wertvoll und wertfrei, kann nur eine Kritik an der kapitalistischen Verfasstheit der bestehenden Verh\u00e4ltnisse sein.<\/p>\n<p><em>Nazis? Gibt es auch in Magdeburg \u2013 und zwar jeden verdammten Tag.<\/em><\/p>\n<p>Wenn in PR-Kampagnen behauptet wird, Magdeburg sei kein Ort f\u00fcr Nazis, sondern eine weltoffene Stadt k\u00f6nnen wir dem nur entgegnen: Magdeburg hat 365 Tage im Jahr ein Naziproblem! Dieses tritt zwar am Tag des Trauermarsches am offensichtlichsten in Erscheinung. Jedoch geschehen rechte Gewalttaten nicht nur rund um den 16. Januar, sondern es existiert eine best\u00e4ndige Bedrohungslage im \u00f6ffentlichen Raum. Darunter haben besonders all jene Menschen zu leiden, die nicht in das menschenverachtende Weltbild der Neonazis passen. Wie schlimm die momentane Situation ist, zeigt allein die Chronologie rechter \u00dcbergriffe, welche von der Mobilen Beratung f\u00fcr Opfer rechter Gewalt erstellt wird.(8)<\/p>\n<p><em>Antifaschistische Demonstration und direkte Aktionen gegen den Naziaufmarsch<\/em><\/p>\n<p>Der Naziaufmarsch in Magdeburg ist der letzte feste Termin der rechten Szene mit stetig steigender Teilnehmendenzahl. Diese Entwicklung ist vor allem als Ausgleich zu verstehen, da durch erfolgreiche Gegenaktivit\u00e4ten von Antifaschist_innen (z.B. in Dresden) und vermehrter Repressionen gegen\u00fcber Organisatoren (z.B. in Dortmund) andere Nazievents wegbrechen. Die Nazidemonstration in Magdeburg dient in erster Linie dazu, Sympatisant_innen und Mitl\u00e4ufer_innen weiter anzubinden und ein identit\u00e4tsstiftendes Gemeinschaftserlebnis f\u00fcr die eigene Szene zu erm\u00f6glichen.<br \/>\nDeshalb ist es wichtig, im Januar verst\u00e4rkt nach Magdeburg zu mobilisieren. Allerdings sehen wir es als notwendig an, auch an diesem Tag eine linksradikale Kritik an den Verh\u00e4ltnissen zu vertreten.<br \/>\nDaneben wollen wir gemeinsam versuchen, den Nazis ihren Trauerzug so unangenehmen wie m\u00f6glich zu machen \u2013 mit allen dazu notwendigen Mitteln. Am Tag an sich wollen wir vor Beginn des Naziaufmarsches eine antifaschistische Demonstration durchf\u00fchren, mit der Rassismus als gesamtgesellschaftliches Problem thematisiert und eine konsequente Kritik an den bestehenden Verh\u00e4ltnissen auf die Stra\u00dfe getragen wird. Im Anschluss wollen wir den Nazis mit handfesten Argumenten entgegen treten.<br \/>\nDie Einsatzkr\u00e4fte der Polizei werden mit der \u00fcblichen Brutalit\u00e4t gegen Antifaschist_innen vorgehen. Dabei betrachten wir die Polizei nicht als irgendeine neutrale Institution, die zuf\u00e4llig zwischen irgendwelche Fronten ger\u00e4t. Es sind genau jene Bullen, die das ganze Jahr \u00fcber Abschiebungen durchf\u00fchren, emanzipatorische Strukturen angreifen und letztendlich die Aufrechterhaltung des kapitalistischen Normalbetriebes garantieren.<\/p>\n<p>In Magdeburg gibt es neben den marschierenden Nazis viele weitere Ziele antifaschistischer Intervention, die es am 12. bzw. 19. Januar 2013 zu entdecken gilt. Aktionen im gesamten Stadtgebiet k\u00f6nnen dazu bei tragen, unkontrollierbare R\u00e4ume zu schaffen. Schon 2012 waren die 1200 Einsatzkr\u00e4fte zeitweise derma\u00dfen \u00fcberfordert, dass der Aufmarsch mit Pyrotechnik und allerlei mehr bereichert werden konnte. Diese Szenen zeigten uns, dass es durchaus m\u00f6glich ist, das Nazievent erfolgreich zu st\u00f6ren.<br \/>\n<strong>Deshalb: 365 Tage offensiv \u2013 gegen Nazis und Rassismus!<\/strong><\/p>\n<p>AK Antifa Magdeburg im November 2012<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>365 Tage offensiv \u2013 Gegen Nazis und Rassismus! Aufruf zur antifaschistischen Demonstration am 12. \/ 19. Januar 2013 (1) Im Januar 2013 wollen erneut hunderte Nazis durch Magdeburg marschieren. 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